Angst
Wer ahnt schon, wie vereinnahmend und behindernd Angst ist, wenn sie einen ans Haus fesselt und damit Lebenswertes verhindert? Wer kann auch nur annäherungsweise verstehen, wie einsam diese Angst macht, weil die Furcht, sich durch Konversation bei seinem Gegenüber zu blamieren oder unbeliebt zu machen, so groß ist, dass erst gar keine aufkeimt, ich selbst dann, wenn Bekannte oder Freunde anrufen, so gut wie niemals ans Telefon gehe oder in der Stadt, wenn ich selbige aus der Ferne sehe, schon die Straßenseite wechsle oder einen anderen Weg einschlage, bloß um nicht in die Verlegenheit des Redenmüssens zu kommen, obwohl ich diese Menschen eigentlich mag. Genau aus diesem Grund isoliere ich mich auch vor sozialen Anlässen, weshalb ich im Job sicherlich auch als seltsamer Sonderling gelte, obwohl ich mich dort meist als extrovertierter und lebensbejahender Mensch darzustellen vermag. Tarnung ist eben alles!
Bis auf wenige Ausnahmen, die ich mich alleine zu meistern getraue - Kino und Schwimmbad -, lebe ich mein Leben hier in meinem kleinen Zimmer, meiner für mich sicheren Bastion, in den Weiten des Internets aus. Hier kann ich geschützt draußen sein, zumindest virtuell leben, abschalten, wenn es mir zuviel wird, weil ich mich, wie es jemand, der es wissen muss, gesagt hat, draußen nicht schützen kann.
Für „Ottonormalmensch“ müssen sich diese Zeilen absurd lesen, vielleicht auch den Eindruck des Krankseins erwecken. Möglicherweise bin ich das, dann aber doch bei klarem Verstand.
Diese Woche hatte/habe ich Urlaub, sprich einen Teil der schönsten Zeit des Jahres, die ich aber nicht zu nutzen wusste, weil ich mich vor allem fürchtete, was das Verlassen von Gewohnten betrifft. Wenn ich jemanden an meiner Seite habe, weicht diese Angst, nur alleine getraue ich mich nicht. Der Pan, der derzeit aufgrund vieler Arbeit leider keinen Urlaub hat, weilt 527 Kilometer von mir entfernt – für mich eine unüberwindbare Hürde, weil ich noch nie mehr als 400 Kilometer alleine gefahren bin und mir alleine der Gedanke soviel Angst macht, dass ich es nicht schaffe, meine Sachen zu packen und zu ihm zu fahren, obwohl ich mir meinen Urlaub so vorgestellt habe. Die Angst hat mich im Griff, verhindert Leben, kettet mich an die Wohnung. Warum bin ich nur so feige?
Damals, als ich aus der Not heraus für ein halbes Jahr im Außendienst gearbeitet habe, stellte ich mir jeden Morgen die Frage nach Leben oder Tod, weil ich – bedingt durch das Fahrenmüssen und dem Wissen um Verkehrsunfälle - sehr stark am zweifeln war, ob ich abends wieder gesund, heil und vor allen Dingen lebend nach Hause komme. Ich weiß nicht, ob das jemand aus eigener Erfahrung kennt oder sich auch nur ansatzweise vorstellen kann, wie wehmütig, traurig und ungewiss es sich anfühlt, wenn man morgens die Tür hinter sich zuzieht und sich fragt, ob man abends wiederkehrt, die Wohnung überhaupt noch mal betreten wird und mit diesen Widerständen nicht nur in den Tag startet, sondern sie auch den ganzen Tag in sich trägt.
Theoretisch hätte ich in dieser Zeit Fahrroutine bekommen müssen, was ich in Ansätzen auch habe. Diese reicht jedoch nicht aus, um die Fahrt zum Pan anzutreten. Vielleicht lesen sich meine Zeilen auch einfach nur ausredend bequemlich. Fakt ist, dass die Angst mich bestimmt.
Genauso wie heute Nacht, als ich einmal mehr gedacht habe, dass die heutige Nacht meine letzte sei, mir mein Herz mir bis zum Kopf schlug und ich mich trotz meiner vier Bettgesellen einfach nur fürchtete, obwohl sie mich minimal zu trösten verstanden.
Doch wen hätte ich nachts um 2.30 Uhr anrufen können, um ihm das mitzuteilen, ohne auch nur ansatzweise als dem Wahnsinn naher Vollidiot dazustehen?
Ist es darüber hinaus nicht bedenklich ambivalent, wie sehr ich einerseits nichts mehr als den Tod fürchte und mir andererseits manchmal nichts anderes als selbigen wünsche, wobei ich in diesen Fällen aber immer die Kontrolle über das Wann haben und nicht heimlich von ihm ereilt werden möchte.
Bis auf wenige Ausnahmen, die ich mich alleine zu meistern getraue - Kino und Schwimmbad -, lebe ich mein Leben hier in meinem kleinen Zimmer, meiner für mich sicheren Bastion, in den Weiten des Internets aus. Hier kann ich geschützt draußen sein, zumindest virtuell leben, abschalten, wenn es mir zuviel wird, weil ich mich, wie es jemand, der es wissen muss, gesagt hat, draußen nicht schützen kann.
Für „Ottonormalmensch“ müssen sich diese Zeilen absurd lesen, vielleicht auch den Eindruck des Krankseins erwecken. Möglicherweise bin ich das, dann aber doch bei klarem Verstand.
Diese Woche hatte/habe ich Urlaub, sprich einen Teil der schönsten Zeit des Jahres, die ich aber nicht zu nutzen wusste, weil ich mich vor allem fürchtete, was das Verlassen von Gewohnten betrifft. Wenn ich jemanden an meiner Seite habe, weicht diese Angst, nur alleine getraue ich mich nicht. Der Pan, der derzeit aufgrund vieler Arbeit leider keinen Urlaub hat, weilt 527 Kilometer von mir entfernt – für mich eine unüberwindbare Hürde, weil ich noch nie mehr als 400 Kilometer alleine gefahren bin und mir alleine der Gedanke soviel Angst macht, dass ich es nicht schaffe, meine Sachen zu packen und zu ihm zu fahren, obwohl ich mir meinen Urlaub so vorgestellt habe. Die Angst hat mich im Griff, verhindert Leben, kettet mich an die Wohnung. Warum bin ich nur so feige?
Damals, als ich aus der Not heraus für ein halbes Jahr im Außendienst gearbeitet habe, stellte ich mir jeden Morgen die Frage nach Leben oder Tod, weil ich – bedingt durch das Fahrenmüssen und dem Wissen um Verkehrsunfälle - sehr stark am zweifeln war, ob ich abends wieder gesund, heil und vor allen Dingen lebend nach Hause komme. Ich weiß nicht, ob das jemand aus eigener Erfahrung kennt oder sich auch nur ansatzweise vorstellen kann, wie wehmütig, traurig und ungewiss es sich anfühlt, wenn man morgens die Tür hinter sich zuzieht und sich fragt, ob man abends wiederkehrt, die Wohnung überhaupt noch mal betreten wird und mit diesen Widerständen nicht nur in den Tag startet, sondern sie auch den ganzen Tag in sich trägt.
Theoretisch hätte ich in dieser Zeit Fahrroutine bekommen müssen, was ich in Ansätzen auch habe. Diese reicht jedoch nicht aus, um die Fahrt zum Pan anzutreten. Vielleicht lesen sich meine Zeilen auch einfach nur ausredend bequemlich. Fakt ist, dass die Angst mich bestimmt.
Genauso wie heute Nacht, als ich einmal mehr gedacht habe, dass die heutige Nacht meine letzte sei, mir mein Herz mir bis zum Kopf schlug und ich mich trotz meiner vier Bettgesellen einfach nur fürchtete, obwohl sie mich minimal zu trösten verstanden.
Doch wen hätte ich nachts um 2.30 Uhr anrufen können, um ihm das mitzuteilen, ohne auch nur ansatzweise als dem Wahnsinn naher Vollidiot dazustehen?
Ist es darüber hinaus nicht bedenklich ambivalent, wie sehr ich einerseits nichts mehr als den Tod fürchte und mir andererseits manchmal nichts anderes als selbigen wünsche, wobei ich in diesen Fällen aber immer die Kontrolle über das Wann haben und nicht heimlich von ihm ereilt werden möchte.
Jetzt hat man mir gerade mit einer Hiobsbotschaft das Lächeln auf meinen Lippen geklaut, wo es bis Mittwoch auch gewiss nicht wiederkehren wird. Das Zittern nach den Tränen ist geblieben, weil ich nicht weiß, ob das Zeitlimit ein schaffbares ist und wie viel qualitative Abstriche ich mangels Zeit machen muss. Abstriche, die meinem eigenen Anspruchsdenken zuwider laufen. Aber ich habe keine Wahl!
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Ich ahnte wusste, dass ich auch dieses Jahr nicht davon verschont bleiben würde. Immer dann, wenn es auf Herbst zugeht, irgendwann Ende August/ Anfang September bevölkern fleischige Riesenspinnen die Wohnung. Gestern suchte mich die erste heim. Ich sah diesen großen schwarzen Fleck im Spiegel und wusste sofort, woher dieser rührte. Obwohl ich meines Erachtens unter keiner Spinnenphobie leide, vermag es diese Sorte, mir Angst und Unbehagen einzuflößen, egal wie nützlich diese Tiere auch immer sein mögen.
Betrüblich an dieser Situation ist jetzt zudem die Tatsache, dass ich mich nicht mehr zu lüften getraue, weil ich den Achtbeinern nicht den Weg weisen möchte – und dabei genieße ich es gerade so sehr nach dem Aufstehen alle Zimmer mit der frischen Morgenluft zu fluten. Tagsüber lasse ich zudem gerne die Fenster auf, was mir jetzt aber verhängnisvoll erscheint.
Ich weiß nicht, wie viele von den Monstern ich vergangenes Jahr getötet habe, aber ohne sie erlegt zu haben, habe ich keine Ruhe mehr. Wenn mein Liebster das Wochenende über hier ist, was an diesem leider nicht der Fall ist, übernimmt er die lebende Entsorgung der Krabbler, eine Variante, zu der ich nicht in der Lage bin, weil ich mir sicher bin, dass die Tiere spüren, wie groß meine Angst ist. Manchmal bin ich selbst wie gelähmt und es erscheint mir wie eine Mutprobe, diesen Kampf zwischen Acht- und Zweibeiner anzugehen.
Selbst jetzt beim Schreiben schreitet mein Blick – in der Sorge, überraschend von einem dunklen Fleck erschreckt zu werden - immer wieder die mich umgebenden Wände ab. Letztes Jahr saß plötzlich eine knapp einen Meter vor mir, was mich noch jetzt erschaudern lässt, wenn ich mich daran entsinne. Meine ganze Ruhe war mit einem Mal dahin, Adrenalin schoss durch meine Blutbahnen. Ich hatte das Gefühl, dass es um Leben oder Tod ging, was ich sonst im Scherze viel zu häufig äußere und bei meinen Arbeitkollegen auch schon damit aufgezogen werde, aber mein Empfinden entsprach genau diesem und keinem anderen Gefühl.
Einmal ist mir eine innerhalb der Wohnung entkommen, worauf ich mir dann eingebildet habe, was angesichts der Tatsache, dass ich an nichts zwischen Himmel und Erde glaube, seltsam anmuten mag, dass sie, die von meinen tödlichen Absichten Notiz bekommen hat, im Überlebenskampf eigene Artgenossen zu mobilisieren versucht bzw. aufgrund meines Vorhabens ein aggressives Gefühl gegen mich hegt, was mich, die ich von der körperlichen Konstitution zwar die Bevorteilte war, das mich im Geiste aber keineswegs stärkte, nur noch mehr verunsicherte. Ich war voller Angst, dass sie bzw. sie mit ihren zur Hilfe gerufenen Kumpanen plötzlich einfach irgendwo auftauchen bzw. sich im Schlafzimmer verschanzen und meine Schutzlosigkeit im Schlaf ausnutzen würden.
Ich will an dieser Stelle auch gar nicht darauf eingehen, wie intensiv ich die nächtliche Ruhestätte vor meinem Schlafengehen absuche bzw. auch die ganze Wohnung, wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme.
Was mir im schlimmsten Fall passieren könnte? Sachlich betrachtet würde ich ein Aufeinandertreffen sicherlich überleben, selbst wenn diese ungebetenen Gäste nachts über mich schlendern, jedoch vermag mein Kopf mir dies nicht als Beruhigung einzuflößen. Nein, es ist vielmehr so, dass sich, wenn ich eine sehe, mein Verstand ausschaltet, mich Angst vereinnahmt (aber eben nur bei diesen großen Spinnen) und auch nicht mehr zur Ruhe kommen lässt, bis ich den Eindringling entweder aus der Wohnung oder tot weiß. Ich kann einfach nicht so tun, als sei nichts und in aller Seelenruhe weiterarbeiten; das ist die Krux an der Situation, die mich ungewollt zum Mörder werden lässt.
Und so sehr ich den Sommer liebe, der dieses Jahr doch keiner war, hoffe ich nun auf die Heizperiode, die die Spinnen wieder ins Jenseits verbannt.
Betrüblich an dieser Situation ist jetzt zudem die Tatsache, dass ich mich nicht mehr zu lüften getraue, weil ich den Achtbeinern nicht den Weg weisen möchte – und dabei genieße ich es gerade so sehr nach dem Aufstehen alle Zimmer mit der frischen Morgenluft zu fluten. Tagsüber lasse ich zudem gerne die Fenster auf, was mir jetzt aber verhängnisvoll erscheint.
Ich weiß nicht, wie viele von den Monstern ich vergangenes Jahr getötet habe, aber ohne sie erlegt zu haben, habe ich keine Ruhe mehr. Wenn mein Liebster das Wochenende über hier ist, was an diesem leider nicht der Fall ist, übernimmt er die lebende Entsorgung der Krabbler, eine Variante, zu der ich nicht in der Lage bin, weil ich mir sicher bin, dass die Tiere spüren, wie groß meine Angst ist. Manchmal bin ich selbst wie gelähmt und es erscheint mir wie eine Mutprobe, diesen Kampf zwischen Acht- und Zweibeiner anzugehen.
Selbst jetzt beim Schreiben schreitet mein Blick – in der Sorge, überraschend von einem dunklen Fleck erschreckt zu werden - immer wieder die mich umgebenden Wände ab. Letztes Jahr saß plötzlich eine knapp einen Meter vor mir, was mich noch jetzt erschaudern lässt, wenn ich mich daran entsinne. Meine ganze Ruhe war mit einem Mal dahin, Adrenalin schoss durch meine Blutbahnen. Ich hatte das Gefühl, dass es um Leben oder Tod ging, was ich sonst im Scherze viel zu häufig äußere und bei meinen Arbeitkollegen auch schon damit aufgezogen werde, aber mein Empfinden entsprach genau diesem und keinem anderen Gefühl.
Einmal ist mir eine innerhalb der Wohnung entkommen, worauf ich mir dann eingebildet habe, was angesichts der Tatsache, dass ich an nichts zwischen Himmel und Erde glaube, seltsam anmuten mag, dass sie, die von meinen tödlichen Absichten Notiz bekommen hat, im Überlebenskampf eigene Artgenossen zu mobilisieren versucht bzw. aufgrund meines Vorhabens ein aggressives Gefühl gegen mich hegt, was mich, die ich von der körperlichen Konstitution zwar die Bevorteilte war, das mich im Geiste aber keineswegs stärkte, nur noch mehr verunsicherte. Ich war voller Angst, dass sie bzw. sie mit ihren zur Hilfe gerufenen Kumpanen plötzlich einfach irgendwo auftauchen bzw. sich im Schlafzimmer verschanzen und meine Schutzlosigkeit im Schlaf ausnutzen würden.
Ich will an dieser Stelle auch gar nicht darauf eingehen, wie intensiv ich die nächtliche Ruhestätte vor meinem Schlafengehen absuche bzw. auch die ganze Wohnung, wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme.
Was mir im schlimmsten Fall passieren könnte? Sachlich betrachtet würde ich ein Aufeinandertreffen sicherlich überleben, selbst wenn diese ungebetenen Gäste nachts über mich schlendern, jedoch vermag mein Kopf mir dies nicht als Beruhigung einzuflößen. Nein, es ist vielmehr so, dass sich, wenn ich eine sehe, mein Verstand ausschaltet, mich Angst vereinnahmt (aber eben nur bei diesen großen Spinnen) und auch nicht mehr zur Ruhe kommen lässt, bis ich den Eindringling entweder aus der Wohnung oder tot weiß. Ich kann einfach nicht so tun, als sei nichts und in aller Seelenruhe weiterarbeiten; das ist die Krux an der Situation, die mich ungewollt zum Mörder werden lässt.
Und so sehr ich den Sommer liebe, der dieses Jahr doch keiner war, hoffe ich nun auf die Heizperiode, die die Spinnen wieder ins Jenseits verbannt.
Werde das Gefühl nicht los, dass an dem heutigen Tag mein Leben hängt. Mein Magen rebelliert. Ich muss mich zusammenreißen, die Starke mimen, die, die ich nicht bin. Nicht in dieser Tragweite. Zeit enteilt. Um 10 Uhr steht das erste Termin an, doch den großen Trommelwirbel gibt’s erst um 15.30 Uhr. Die Zeit bis dahin zu überstehen, scheint Äonen entfernt.
Werde ich es überleben, frage ich mich? Physisch scheine ich ein harter Knochen zu sein, doch was ist mit den anderen Facetten meines Ichs?
Werde ich es überleben, frage ich mich? Physisch scheine ich ein harter Knochen zu sein, doch was ist mit den anderen Facetten meines Ichs?
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Wieso bedrückt die Dunkelheit und was macht die – sonst so gewohnte, gern geschätzte und auch Kräfte tankende – Stille mit einem Mal so beängstigend? Ja, was hat die Nacht Erschreckendes, das dem Tage verborgen bleibt? Und wieso beruhigt erst der säuselnde Klang des Radios, der die Stummheit des Raumes schluckend melodiert?
Was ist es nur, dass all diese Ängste so bündelt?
Ob die Schlafräuber wieder auf Beutefang sind? Oder ist es der im schlichten Hochglanz seiner Blüte stehende Garten meiner (eingebildeten) Phantasie, der trotz seiner hübschen Frühlingsfarben immer größere Schatten der Furchtsamkeiten wirft?
Wenn ich es doch nur wüsste!
Sei’s drum, nur noch ein paar Stunden, dann erwacht das Licht des Tages und damit auch die Kraft gegen die in uns wohnenden Drachen anzukämpfen, deren Raffinesse sich u.a. darin zeigt, sich täglich in neuen und sachlich sicherlich auch oft absurden Ängsten zu manifestieren, obwohl das Gefühl an sich natürlich nicht nach Vernunft fragt, sondern durch sein primäres Sein einfach nur bewahrheitet (sich selbst belügen kann man ja schlecht!).
Auf dass die Nacht dem Tag in Bälde weichen möge.
Was ist es nur, dass all diese Ängste so bündelt?
Ob die Schlafräuber wieder auf Beutefang sind? Oder ist es der im schlichten Hochglanz seiner Blüte stehende Garten meiner (eingebildeten) Phantasie, der trotz seiner hübschen Frühlingsfarben immer größere Schatten der Furchtsamkeiten wirft?
Wenn ich es doch nur wüsste!
Sei’s drum, nur noch ein paar Stunden, dann erwacht das Licht des Tages und damit auch die Kraft gegen die in uns wohnenden Drachen anzukämpfen, deren Raffinesse sich u.a. darin zeigt, sich täglich in neuen und sachlich sicherlich auch oft absurden Ängsten zu manifestieren, obwohl das Gefühl an sich natürlich nicht nach Vernunft fragt, sondern durch sein primäres Sein einfach nur bewahrheitet (sich selbst belügen kann man ja schlecht!).
Auf dass die Nacht dem Tag in Bälde weichen möge.
Überlebt!
Zwei Stunden habe ich diese Nacht geschlafen, das Schlafzimmer wie die Haustüre verriegelt, mit Decken die Luftschlitze abgedeckt, die Schlüssellöcher zugehängt, um jeden eingebildeten Eindringungsversuch zu unterbinden, wenn, ja wenn er, der Tod, dem ich eine - in welcher Form auch immer - materialisierte Statur (und sei es nur als lebensaushauchender Windhauch) gab, nicht schon längst da war. Selbst den kleinen, gläsernen Schutzengel in seiner samtenen, roten Angel Worry Box, den ich als Weihnachtsgeschenk für jemand anderen erwarb, habe ich aus der Geschenke-Schublade gezaubert, die stets bei mir tragende Schachtel seiner Behausung weit geöffnet, um meine Überlebenschancen der Nacht zu erhöhen.
Um mich abzulenken, hatte ich zunächst zu lesen begonnen, was ich so ungefähr bis drei Uhr gemacht habe, dann das sonst so probate Müderwerdemittel zur Seite gelegt, um einen Freund, der Nachtdienst hatte, anzurufen, um mit ihm über meine Angst, den Urlaub und sein Liebesleben zu reden, wobei er meinte, dass das kindliche Phantasien seien.
„Ich weiß, dass das, was ich mir einbilde, sachlich betrachtet nicht möglich ist“, sagte ich ihm, „aber es hilft nichts“. „Klar kriecht der Tod nicht durch irgendwelche Luftschlitze oder Schlüssellöcher, aber wenn wir aufgelegt haben, bemächtigt sich meine Phantasie jeglicher Rationalität, um dann mit der Angst des Todes zu trumpfen. Ich kann mich nicht dagegen wehren.
Später las ich noch ein bisschen, doch ich musste ja schlafen, um heute fit zu sein, was ich nun nicht ansatzweise bin, stattdessen brennen meine Augen und mein Körper verlangt nach dem, was ihm die Furcht entzog: Schlaf. Ich löschte das Licht, versuchte die gehörten Geräusche nicht überzubewerten und verkroch mich unter die Decke, wo ich es in der mich fast lähmenden Dunkelheit nicht zwei Minuten aushielt, weshalb ich das Licht, unter dessen hellen Umständen ich aber grundsätzlich keinen Schlaf finden kann, wieder anschaltete. Zu jenem Zeitpunkt war es dann so gegen 5 Uhr. Das Licht beruhigte mich zwar, doch so wirklich schlafen konnte ich – wie eben schon erwähnt – unter diesen Umständen auch nicht. Ein bisschen, in der Annahme, dass sich der Herr Tod bei Licht nicht meiner zu bemächtigen traut, ging es aber. So lange, bis der Radiowecker mich wieder ins lichte Leben zurückholte und mir mit der natürlichen Helligkeit jegliche weitere Angst nahm, obwohl ich noch nicht mal sagen kann warum, denn unser Nachbar wurde auch am Tag geholt.
Zwei Stunden habe ich diese Nacht geschlafen, das Schlafzimmer wie die Haustüre verriegelt, mit Decken die Luftschlitze abgedeckt, die Schlüssellöcher zugehängt, um jeden eingebildeten Eindringungsversuch zu unterbinden, wenn, ja wenn er, der Tod, dem ich eine - in welcher Form auch immer - materialisierte Statur (und sei es nur als lebensaushauchender Windhauch) gab, nicht schon längst da war. Selbst den kleinen, gläsernen Schutzengel in seiner samtenen, roten Angel Worry Box, den ich als Weihnachtsgeschenk für jemand anderen erwarb, habe ich aus der Geschenke-Schublade gezaubert, die stets bei mir tragende Schachtel seiner Behausung weit geöffnet, um meine Überlebenschancen der Nacht zu erhöhen.
Um mich abzulenken, hatte ich zunächst zu lesen begonnen, was ich so ungefähr bis drei Uhr gemacht habe, dann das sonst so probate Müderwerdemittel zur Seite gelegt, um einen Freund, der Nachtdienst hatte, anzurufen, um mit ihm über meine Angst, den Urlaub und sein Liebesleben zu reden, wobei er meinte, dass das kindliche Phantasien seien.
„Ich weiß, dass das, was ich mir einbilde, sachlich betrachtet nicht möglich ist“, sagte ich ihm, „aber es hilft nichts“. „Klar kriecht der Tod nicht durch irgendwelche Luftschlitze oder Schlüssellöcher, aber wenn wir aufgelegt haben, bemächtigt sich meine Phantasie jeglicher Rationalität, um dann mit der Angst des Todes zu trumpfen. Ich kann mich nicht dagegen wehren.
Später las ich noch ein bisschen, doch ich musste ja schlafen, um heute fit zu sein, was ich nun nicht ansatzweise bin, stattdessen brennen meine Augen und mein Körper verlangt nach dem, was ihm die Furcht entzog: Schlaf. Ich löschte das Licht, versuchte die gehörten Geräusche nicht überzubewerten und verkroch mich unter die Decke, wo ich es in der mich fast lähmenden Dunkelheit nicht zwei Minuten aushielt, weshalb ich das Licht, unter dessen hellen Umständen ich aber grundsätzlich keinen Schlaf finden kann, wieder anschaltete. Zu jenem Zeitpunkt war es dann so gegen 5 Uhr. Das Licht beruhigte mich zwar, doch so wirklich schlafen konnte ich – wie eben schon erwähnt – unter diesen Umständen auch nicht. Ein bisschen, in der Annahme, dass sich der Herr Tod bei Licht nicht meiner zu bemächtigen traut, ging es aber. So lange, bis der Radiowecker mich wieder ins lichte Leben zurückholte und mir mit der natürlichen Helligkeit jegliche weitere Angst nahm, obwohl ich noch nicht mal sagen kann warum, denn unser Nachbar wurde auch am Tag geholt.
Seitdem ich gestern – nach Rückkehr aus zweiwöchigen Urlaub – erfahren habe, dass ein 53-jähriger Nachbar, der für mich mit seiner Frau zu den freundlichsten gehörte, plötzlich und überraschend vor einer Woche an einem Herzinfarkt gestorben ist, glaube ich, auch wenn es rational sicherlich abwegig klingt, dass hier im Haus der Tod eingekehrt ist, um sich jemanden zu holen, wobei ich das Gefühl nicht los werde, dass ihm eine Person nicht reicht. Ich fühle mich bedroht, ja existentiell bedroht, denke, dass er sich den Luftschlitz unter der Haustüre als Zugang verschafft, spürt, dass ich Angst habe und genau diesen hilflosen Punkt als Angriffsfläche nutzt, weil er weiß, dass Schwache leicht zu holen sind.
Eben habe ich eine Decke vor die Tür gelegt – in der Annahme, dass er durch sie abgewehrt wird. Was, wenn er aber schon drinnen ist, wartet, bis ich schlafe und sich meiner bemächtigt? Gestern war Pan noch da. Ihm habe ich von der Angst erzählt, die mir die Sinne benebelt, gerade jetzt zu so später Stunde, wo die ruhende – und damit Aufmerksamkeit abschaltende - Einkehr zu Bette ansteht. Gestern konnte ich mich noch Schutz suchend in seine Arme retten, heute hingegen bin ich wieder ganz alleine, er über 500 Kilometer weit weg.
Gestern habe ich - einerseits des Jetlags, andererseits vor Angst nicht schlafen könnend wegen - eine Schlaftablette genommen und dann auch irgendwann, im wiegenden Schutze des Pans, schlummernde Erholung gefunden. Heute hingegen kann und will ich mir das nicht wieder leisten, weil das der gesunden Maßgabe des Körpers widerspricht. Davon abgesehen habe ich morgen früh einen Termin, den ich nicht verschlafen darf, wobei ich mich außerdem nicht in medikamentöse Abhängigkeit für biorhythmische Bedürfnisse begeben mag.
Eben hat ein knackendes Geräusch die mich umgebenden Stille durchbrochen, - ein Einschüchterungsversuch?
Ich weiß, dass ich schlafen muss und kann nicht, weil mich die Angst wach hält.
Eben habe ich eine Decke vor die Tür gelegt – in der Annahme, dass er durch sie abgewehrt wird. Was, wenn er aber schon drinnen ist, wartet, bis ich schlafe und sich meiner bemächtigt? Gestern war Pan noch da. Ihm habe ich von der Angst erzählt, die mir die Sinne benebelt, gerade jetzt zu so später Stunde, wo die ruhende – und damit Aufmerksamkeit abschaltende - Einkehr zu Bette ansteht. Gestern konnte ich mich noch Schutz suchend in seine Arme retten, heute hingegen bin ich wieder ganz alleine, er über 500 Kilometer weit weg.
Gestern habe ich - einerseits des Jetlags, andererseits vor Angst nicht schlafen könnend wegen - eine Schlaftablette genommen und dann auch irgendwann, im wiegenden Schutze des Pans, schlummernde Erholung gefunden. Heute hingegen kann und will ich mir das nicht wieder leisten, weil das der gesunden Maßgabe des Körpers widerspricht. Davon abgesehen habe ich morgen früh einen Termin, den ich nicht verschlafen darf, wobei ich mich außerdem nicht in medikamentöse Abhängigkeit für biorhythmische Bedürfnisse begeben mag.
Eben hat ein knackendes Geräusch die mich umgebenden Stille durchbrochen, - ein Einschüchterungsversuch?
Ich weiß, dass ich schlafen muss und kann nicht, weil mich die Angst wach hält.
Nützlichkeit hin oder her, selbst wenn sie mir kleine, eingerollte Geldscheine brächten, ich kann mich gegen dieses angstbesetzte Ekelgefühl einfach nicht wehren, zumindest nicht dann, wenn sie sich in meinen eigenen vier Wänden aufhalten: SPINNEN!
Wie bereits kürzlich vermerkt, es wird Herbst, wodurch auch das Thema Zuflucht suchende Einkehr der krabbelnden Achtbeiner in den ungewollten Vordergrund meines Daseins rückt.
Seit Donnerstag habe ich heute die dritte, wirklich, massige Spinne gesichtet. Zwei habe ich unter Einsatz meines in allen Ecken verkrochenen, aber doch mühselig zusammengekratzten Mutes erlegt, einer schenkte am Wochenende zumindest der furchtlose Pan das Leben. Meine erste war so groß, dass ich mich nicht getraut habe, sie mit dem Schuh zu plätten, so dass ich mich aus lauter Hilflosigkeit heraus gezwungen sah, sie mit Haarlack und Deo tödlich zu vernebeln. Im Anschluss fürchtete ich (kein Scherz!), dass mich Freunde oder Verwandte von eben dieser Spinne gesehen haben könnten, die sich in der Nacht dann bei mir dafür rächen würden. Die zweite von vorhin, auch nicht viel kleiner, musste ich dann aber doch mit dem Schuh erschlagen (ich hatte sie zuvor schon anders zu eliminieren versucht, doch da enthuschte sie mir), als sie auf dem langen Flurteppich ins Wohnzimmer sprintete.
Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich die Tiere nicht aus Vergnügen entsorge, es ist nur so, dass ich innerlich keine Ruhe finde, mich beim Arbeiten nicht konzentrieren kann, wenn ich weiß, dass so ein Monster im Haus ist. Davon abgesehen fürchte ich mich zudem davor, dass sie nachts auf mir herumspazieren.
Tja, und nachdem jetzt seit Donnerstag schon drei dieser Ungeheuer in der Wohnung waren, befürchte ich Schlimmstes. Wer weiß, ob hier nicht schon ein ganzes Arsenal ist? Selbst hier am Rechner sitze ich ziemlich angespannt, mich in unregelmäßig-zeitlichen Abständen umsehend und unter den Schreibtisch blickend, ob nicht wieder eines dieser Viecher einen viel zu großen Schatten auf die helle Tapete wirft.
Letztes Jahr haben wir, Pan und ich, diese Wohnung nur am Wochenende bewohnt, so dass zu jenem Zeitpunkt der tollkühne Held an meiner Seite zumindest immer hier war, wenn einer dieser viel zu wuchtigen Kerle ungebeten in die Wohnung eindrang. Und das geschah doch recht häufig! Seit März wohne ich nun aber hier mit in dieser Wohnung, was ein Alleinsein unter der Woche zur Folge hat.
Früher, ganz früher, als Eduard Zimmermann noch „Aktenzeichen XY“ moderierte, so in den 70er Jahren, löste allein die Stimme dieses Mannes ein Angstgefühl in mir aus. Selbst später, in meinen Teenagerjahren, sah ich nach der Sendung hinter den Türen nach Mördern nach und verschloss mich in meinem Zimmer – so wie ich es heute noch mache, wenn ich schlafen gehe. Damals suchte ich nach Mördern, heute nach Spinnen.
Hoffentlich ist keine im Schlafzimmer (Bettkontrolle!), denn dann kann ich definitiv nicht ruhen. Als ich mir vorhin die Zähne putzte, hatte ich sogar Angst, dass mich eine Spinne aus dem Spiegelschrank anhüpfen könnte, selbst mein eigener Schatten hat mich eben erschreckt. Ein bißchen paranoid (oder sollte ich arachnoid sagen?) bin ich schon.
Wie bereits kürzlich vermerkt, es wird Herbst, wodurch auch das Thema Zuflucht suchende Einkehr der krabbelnden Achtbeiner in den ungewollten Vordergrund meines Daseins rückt.
Seit Donnerstag habe ich heute die dritte, wirklich, massige Spinne gesichtet. Zwei habe ich unter Einsatz meines in allen Ecken verkrochenen, aber doch mühselig zusammengekratzten Mutes erlegt, einer schenkte am Wochenende zumindest der furchtlose Pan das Leben. Meine erste war so groß, dass ich mich nicht getraut habe, sie mit dem Schuh zu plätten, so dass ich mich aus lauter Hilflosigkeit heraus gezwungen sah, sie mit Haarlack und Deo tödlich zu vernebeln. Im Anschluss fürchtete ich (kein Scherz!), dass mich Freunde oder Verwandte von eben dieser Spinne gesehen haben könnten, die sich in der Nacht dann bei mir dafür rächen würden. Die zweite von vorhin, auch nicht viel kleiner, musste ich dann aber doch mit dem Schuh erschlagen (ich hatte sie zuvor schon anders zu eliminieren versucht, doch da enthuschte sie mir), als sie auf dem langen Flurteppich ins Wohnzimmer sprintete.
Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich die Tiere nicht aus Vergnügen entsorge, es ist nur so, dass ich innerlich keine Ruhe finde, mich beim Arbeiten nicht konzentrieren kann, wenn ich weiß, dass so ein Monster im Haus ist. Davon abgesehen fürchte ich mich zudem davor, dass sie nachts auf mir herumspazieren.
Tja, und nachdem jetzt seit Donnerstag schon drei dieser Ungeheuer in der Wohnung waren, befürchte ich Schlimmstes. Wer weiß, ob hier nicht schon ein ganzes Arsenal ist? Selbst hier am Rechner sitze ich ziemlich angespannt, mich in unregelmäßig-zeitlichen Abständen umsehend und unter den Schreibtisch blickend, ob nicht wieder eines dieser Viecher einen viel zu großen Schatten auf die helle Tapete wirft.
Letztes Jahr haben wir, Pan und ich, diese Wohnung nur am Wochenende bewohnt, so dass zu jenem Zeitpunkt der tollkühne Held an meiner Seite zumindest immer hier war, wenn einer dieser viel zu wuchtigen Kerle ungebeten in die Wohnung eindrang. Und das geschah doch recht häufig! Seit März wohne ich nun aber hier mit in dieser Wohnung, was ein Alleinsein unter der Woche zur Folge hat.
Früher, ganz früher, als Eduard Zimmermann noch „Aktenzeichen XY“ moderierte, so in den 70er Jahren, löste allein die Stimme dieses Mannes ein Angstgefühl in mir aus. Selbst später, in meinen Teenagerjahren, sah ich nach der Sendung hinter den Türen nach Mördern nach und verschloss mich in meinem Zimmer – so wie ich es heute noch mache, wenn ich schlafen gehe. Damals suchte ich nach Mördern, heute nach Spinnen.
Hoffentlich ist keine im Schlafzimmer (Bettkontrolle!), denn dann kann ich definitiv nicht ruhen. Als ich mir vorhin die Zähne putzte, hatte ich sogar Angst, dass mich eine Spinne aus dem Spiegelschrank anhüpfen könnte, selbst mein eigener Schatten hat mich eben erschreckt. Ein bißchen paranoid (oder sollte ich arachnoid sagen?) bin ich schon.
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Eben erreichte mich folgende SMS: „Hatte ganz vergessen, wie süß der Kuss meines Taschenmessers schmeckt. Hab mir den ganzen Unterarm versaut, aber ich fürchte das reicht heute noch nicht ...“
Nein, heute bin nicht ich es, heute ist es K., den ich vor gut zwei Wochen im Schwimmbad per Zufall (Wespenattacke) kennengelernt habe. Er lag recht nah, so dass ich nicht umhin kam, seinen Arm zu sehen, der von zahllosen striemenartigen Narben zerfurcht war – und das in ganzer Länge. Eine Tatsache, die mich schon gleich zu vertrauten Vermutungen veranlasste, welche sich, wie sich später im Gespräch herausstellte, als richtig erwiesen, wobei ich gar nicht weiter auf Details eingehen möchte.
Ich weiß nur eines. Ich mag ihn und genau deshalb macht es mich jetzt auch so traurig, zu wissen, was er tut. Nicht weil seine Schnitte so viel tiefer als die meinigen sind, sondern weil ich ihn nicht aufhalten kann. Zu groß ist die Verzweiflung, zu klein die Hoffnung, um einen anderen Weg der Lösung zu suchen, dabei war er so tapfer. Seit Januar hatte er es nicht mehr getan. Und jetzt das. Ich fühle mich selbst so hilflos, weiß nicht, was ich tun kann, weil ich mich in dieser Situation, in der ich mich von nichts und niemanden aufhalten lasse, selbst kenne. Ich habe ihm zurückgeschrieben, doch meine Worte scheinen an seinem Selbsthass zerschellt zu sein. Ich darf mir das blutige Szenario gar nicht vorstellen. Was kann ich tun? Anrufen? Hinfahren? Ich gehe in diesen Phasen weder ans Telefon noch öffne ich die Türen.
Was ist das Richtige? Wie unterstütze ich jemanden, den ich mag? Was kann ich überhaupt tun, um sein Leid zu mindern? Ich habe Angst vor einem Telefonat, fürchte, die falschen Worte zu wählen, die ihn möglicherweise noch weiter quälen und möchte doch einfach nur da sein, weil ich weiß, wie grausam Einsamkeit ist.
Nein, heute bin nicht ich es, heute ist es K., den ich vor gut zwei Wochen im Schwimmbad per Zufall (Wespenattacke) kennengelernt habe. Er lag recht nah, so dass ich nicht umhin kam, seinen Arm zu sehen, der von zahllosen striemenartigen Narben zerfurcht war – und das in ganzer Länge. Eine Tatsache, die mich schon gleich zu vertrauten Vermutungen veranlasste, welche sich, wie sich später im Gespräch herausstellte, als richtig erwiesen, wobei ich gar nicht weiter auf Details eingehen möchte.
Ich weiß nur eines. Ich mag ihn und genau deshalb macht es mich jetzt auch so traurig, zu wissen, was er tut. Nicht weil seine Schnitte so viel tiefer als die meinigen sind, sondern weil ich ihn nicht aufhalten kann. Zu groß ist die Verzweiflung, zu klein die Hoffnung, um einen anderen Weg der Lösung zu suchen, dabei war er so tapfer. Seit Januar hatte er es nicht mehr getan. Und jetzt das. Ich fühle mich selbst so hilflos, weiß nicht, was ich tun kann, weil ich mich in dieser Situation, in der ich mich von nichts und niemanden aufhalten lasse, selbst kenne. Ich habe ihm zurückgeschrieben, doch meine Worte scheinen an seinem Selbsthass zerschellt zu sein. Ich darf mir das blutige Szenario gar nicht vorstellen. Was kann ich tun? Anrufen? Hinfahren? Ich gehe in diesen Phasen weder ans Telefon noch öffne ich die Türen.
Was ist das Richtige? Wie unterstütze ich jemanden, den ich mag? Was kann ich überhaupt tun, um sein Leid zu mindern? Ich habe Angst vor einem Telefonat, fürchte, die falschen Worte zu wählen, die ihn möglicherweise noch weiter quälen und möchte doch einfach nur da sein, weil ich weiß, wie grausam Einsamkeit ist.
Da waren sie wieder: die Dunkelheit der Nacht, meine angsterfüllten Gedanken und mein sich darüber sorgendes Ich. Mag sein, dass ich psychisch allmählich abdrifte, was mich angesichts meiner mich umgebenden Umstände (oder sollte ich besser meiner darüber empfindenden Wahrnehmung sagen?) nicht wundern täte.
Immer dann, wenn es darum geht, mich vom PC zu lösen, um den Weg ins Bett zu suchen, also dann, wenn ich mich nicht mehr ablenke, schwappt alles Bedenkenswerte hoch. So wie beispielsweise gestern, als ich mich gegen 2.30 Uhr zu Bett begab, hoffte, schnell einzuschlafen, weil ich wusste, dass die Nacht nach nur vier Stunden (und diese sind mir, das weiß ich aus Erfahrung, einfach zu wenig), vorüber sein würde.
Jedoch schon beim Zähneputzen begann das inzwischen nahezu täglich wiederholende Szenario. Die Gedanken peitschten wie hart gespielte Tennisbälle durch meinen Kopf: knapp und kurz, dafür aber umso intensiver, jedoch ohne in dem Sinne von „es wird schon wieder werden“ aufmunternd punkten zu können. Stattdessen treiben meine Gedanken die Blüten des Todes aus, die mir auch jetzt beklemmend die Luft zum Atmen nehmen. Es fühlt sich ein bisschen an wie Hunger, ist aber durch Nahrung nicht zu sättigen. Ich kann nicht sagen warum, aber irgendetwas in mir komprimiert dieabstruse Vermutung, einen schnellen Tod zu erleiden, weshalb ich mich gerade besonders dann, wenn ich mich schlafen lege, frage, ob ich am nächsten Tag wieder erwache.
Immer dann, wenn es darum geht, mich vom PC zu lösen, um den Weg ins Bett zu suchen, also dann, wenn ich mich nicht mehr ablenke, schwappt alles Bedenkenswerte hoch. So wie beispielsweise gestern, als ich mich gegen 2.30 Uhr zu Bett begab, hoffte, schnell einzuschlafen, weil ich wusste, dass die Nacht nach nur vier Stunden (und diese sind mir, das weiß ich aus Erfahrung, einfach zu wenig), vorüber sein würde.
Jedoch schon beim Zähneputzen begann das inzwischen nahezu täglich wiederholende Szenario. Die Gedanken peitschten wie hart gespielte Tennisbälle durch meinen Kopf: knapp und kurz, dafür aber umso intensiver, jedoch ohne in dem Sinne von „es wird schon wieder werden“ aufmunternd punkten zu können. Stattdessen treiben meine Gedanken die Blüten des Todes aus, die mir auch jetzt beklemmend die Luft zum Atmen nehmen. Es fühlt sich ein bisschen an wie Hunger, ist aber durch Nahrung nicht zu sättigen. Ich kann nicht sagen warum, aber irgendetwas in mir komprimiert die
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