Aeltere Beitraege von blogger de
Aergerlich
Angst
Aus der Welt der Nachrichten
Des Lebens muede
Ein neuer Tag
einsam & verlassen
Familie
Freizeit
Freude
Job
Kaum zu glauben
Kino
Kurioses
Nicht von dieser Welt
Omas Krebs
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
icon

 
Eigentlich wollten wir, der Pan und ich, von heute bis Samstag nach Österreich in den Kaiserwinkl fahren, um dort neben Canyoning und Rafting meinen Geburtstag zu erleben. Feiern kann ich ja nicht sagen, weil ich ihn tatsächlich nicht feiere, am liebsten sogar aus meiner Erinnerung löschen würde, weil dieser Tag mir jedes Jahr nur noch mehr von dem Unerwünschten überstülpt, was ich nicht haben möchte: eine Zunahme an Jahren und damit einhergehend das Altern im Allgemeinen.

Die schlechte Wetterprognose für die Urlaubsregion schon seit Tagen besorgt im Blick habend, bestätigte uns auch heute Morgen nichts anderes als Regen für die kommenden Tage, weshalb ich - als stets nach Licht und Wärme sehnsüchtelnde Sonnenblume, für die eine Reise mit dem Wetter steht oder fällt - betrübt den Kopf hängen ließ und nach einer wie auch immer gearteten Alternative Ausschau hielt. Nach diversen Recherchen im Internet und Telefonaten hinsichtlich Superlastminute-Angeboten, die aber allesamt an einem angemessenem Preis-Leistungs-Verhältnis scheiterten, werden wir nun doch den Kampf mit dem Regen im Nachbarlande aufnehmen, wobei für Deutschland die kommenden Tage auch nicht wesentlich besseres Wetter vorhergesagt wird.

Die Stimmung ist aufgrund der fortgeschrittenen Zeit sowieso auf dem ABSOLUTEN Nullpunkt angelangt. Mittlerweile bin ich eingeschüchtert, habe Angst vor der Konversation, weil ich weiß, dass sie mich verletzen wird. Vielleicht werden wir uns auf einem nonverbalen und unhandgreiflichen Niveau die Köpfe einschlagen. Darin sind wir geübt.

Auf in den Urlaub!

Kampf mit den klebrigen ÜberrestenIn ein paar wenigen Tagen steht dieses Jahr ein ganz besonderer, da runder „Tag der Tage“ an. Ein Tag, den viele zelebrieren, ich aber seit meinem 18. Geburtstag verteufle und mit all den zunehmenden Jahren eher als Trauer-, denn als Feiertag betrachte. Dieses Ereignis zum Anlass nehmend, äußerte ich dem Pan gegenüber einen ganz besonderen Geburtstagswunsch:

Fast zwei Jahre lag ich dem Pan nun mehr oder minder in den Ohren, dass mich der Teppich der Vormieter, der in meinem Zimmer liegt, ekelt. Gleich nach meinem Einzug damals hatten wir ihn zwar nass gereinigt, eine gewisse verstrichene Zeit später sogar noch einmal, mich mit dem Teppich wohl gefühlt habe ich mich aber zu keinem Zeitpunkt. Er war verlebt und absolut dauerstaubig, weswegen ich mich auch nie auf den Teppich setzte, geschweige denn legte, um beispielsweise ein paar Trainingseinheiten für Bauch und Rücken zu praktizieren. Um ganz ehrlich zu sein: Ausstreichen in die EckenIch glaube in diesem Teppich hausten sogar ein paar Abgesandte derer, die es sich bei den Hempels unterm Sofa gemütlich gemacht haben. Etwas Ähnliches habe ich bisher noch bei keinem anderen Teppich wahrgenommen, weswegen „eklig“ eine absolut treffende Beschreibung des Bodenbelags war. War insofern, als dass wir ihn gestern endlich entsorgten und mit der Hilfe und des tatkräftigen Engagements eines versierten Freundes (der Pan und ich haben handwerklich so gänzlich gar kein Geschick), ohne dessen Hilfe wir garantiert NIEMALS so weit gekommen wären, einem knalligen, der farblich ganz gezielt konträr zu dem vorherigen sein sollte, um auch jedwede Erinnerung daran auszumerzen, die Möglichkeit gaben, in altem Terrain ein neues behagliches Wohngefühl zu schaffen.

Die vorherigen Mieter - ein Paar Mitte 30 - hatten vermutlich geplant, sich auf Lebenszeit in dieser Wohnung einzuquartieren, zumindest hatte der Ex-Teppich alle Ambitionen, auf ewig mit dem Boden vereint zu bleiben. Das Herausreißen des Alten glich einem Kampf der Giganten. Teilweise hat es sich sogar so angefühlt, als ob die Vormieter literweise Sekundenkleber unter den Teppich geschüttet hätten und eine Armee an Sekundenkleber-Soldaten ihr Gebiet zu verteidigen versuchen. Ja, es war mühselig und blutig, aber wenn drei Helden kämpfen und sich zudem die Wut des aufgestauten Ekels dazugesellt, kann der am Boden liegende nur verlieren, egal wie hartnäckig er sich zu wehren versucht.

DetailarbeitenNachdem wir das in Miniportionen zerstückelte Schlachtfeld auch gleich entsorgten, war es ein (relativ) Leichtes, dem jungfräulichen und farbenfrohen Teppich ein neues zuhause zu geben, in das er sich, als wir ihm die Schranken wiesen, auch vortrefflich einpasste.

Tja, was soll ich sagen? Dass ich gerädert bin? Nein!

Ich bin entzückt!

Nein, das wäre auch noch nicht den Kern treffend. Ich bin begeistert, kann endlich wieder barfuß laufen, sollte Eintritt verlangen für den schönsten aller Schönen, einem Teppich, der eigentlich so gar nicht meine Farbe hat und dennoch für dieses unglaubliche Glücksgefühl sorgt.

Wie viel Dämpfer verkraftet ein Mensch? Wie viel Niederlagen kann man schlucken, bevor man selbst von ihnen verschluckt wird? Säße ich nicht im Büro, würde ich meinen Tränen freien Lauf lassen, um mit dem Rinnsaal des Regens fortgeschwemmt zu werden und endlich weg zu sein von der Bildfläche namens Leben.

Dass mir andere Menschen überhaupt noch etwas Könnendes zuschreiben, verwundert mich. Ich weiß auch nicht, wie sie auf den Gedanken kommen, zumal ich mir selbst diese Attribute niemals zusprechen würde.

Ein Beispiel?

Eben rief mich ein alter Bekannter auf meinem Handy an. Ich sah nur die Vorwahl und dachte es sei ein Kollege von der benachbarten Stadt. Weit gefehlt.

„Du bist meine letzte Rettung“, tönte es aus dem kleinen Lautsprecher.

Was für eine absurde Behauptung, dachte ich.

Ich könne doch italienisch, er habe gerade einen Italiener neben sich stehen, der kein Wort Deutsch spricht.

Gut, ich kann ein wenig in der Landessprache fluchen, bis 89 zählen und weiß auch sonst noch ein paar wenige Vokabeln, aber das war’s.

Noch bevor ich mich irgendwie rettend aus der Situation ziehen konnte, hatte ich den Italiener am Ohr, was mich schon genau nach 1 Sekunde dermaßen überforderte, dass ich den Hörer auflegte und mein Handy ausmachte. Seitdem fühle ich mich einmal mehr wie ein Idiot, zumal ich schon kurz vorher eine absolut niederschmetternde Erfahrung gemacht habe, die mir meine aus allen Poren quellende Dummheit nur bestätigte.

Ohne Hilfe bin ich überhaupt nicht lebensfähig! Ein hirnloser Wurm, der auf Erlösung wartet, weil er selbst dazu zu feige ist.

Soll er, der Herrscher über Leben und Tod, die Flamme doch ausblasen, damit es endlich dunkel um mich wird. Die anderen sind so viel bessere Menschen. Ich hab nichts zu geben. Nichts. Einfach gar nichts! Nada. Gähnende Leere. Viel schlimmer noch: ich schade. Ja, ich schade. Kann mir nicht einfach jemand Gewalt antun? Jemand, den ich für einen Mord freisprechen würde. Es soll einfach nur schnell gehen. Das wäre schon alles, was ich mir wünsche. Wahrlich, der heutige Tag sucht seinesgleichen und findet sogar eine Doublette, die knapp 22 Jahre zurückliegt. Damals war es vom Gefühl wie heute. Einen Tag, der alles Bisherige verwarf, im gewissen Sinn eine neue Zeitrechnung mit sich brachte, letztlich auch ein Tag, der sich mit all seiner Sinnlosigkeit bis ins Heute zog, um sich heute mit Trommeln und Trompeten lautstark ins Gedächtnis zu rufen. Ganz ehrlich: ich mag nicht mehr.

Ich hasse mich für meine Feigheit, für mein Unvermögen und für meine soziale Phobie, die mich allesamt so lebensunfähig machen.

Wenn ich nicht endlich Nein sagen lerne, endet mein Leben, das sowieso die Affinität zum Drama hat, im totalen Chaos, einem Anschein ohne Wahrheitsgehalt, der rein äußerlich betrachtet für absolute Verwirrung, wenn nicht gar einer Katastrophe, sorgt. Ohne dieses Nein, das ich mich nicht zu sagen getraue, bin ich konturenlos, nicht greifbar, eine leere Hülle der Gefälligkeit, die sich nur dadurch abzugrenzen weiß, dass sie grundsätzlich Kontakt zu Leuten meidet, so weit es eben geht.

Dieses Nicht-Nein-sagen-können bringt mich echt noch um den Verstand. Letztens habe ich mit allergrößtem Mühen ein Abkömmling eines Neins über die Lippen gebracht. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich damit gehadert habe, wie vermutlich unnachvollziehbar schwer mir das gefallen ist. Ein Nein, das kein klares war, das ich, um mein Gegenüber nicht gänzlich vor den Kopf zu stoßen, abgemildert habe und mich trotz dieser Miniaturversion unendlich schlecht fühlte, weil mein Gewissen mich damit peinigte, für den Kummer einer anderen Person verantwortlich zu sein.

Letztlich ziehe ich mich zurück, isoliere mich, um in dieser Einsamkeit niemandem außer mir gerecht werden zu müssen. Im realen Aufeinandertreffen reicht meine Kraft nicht dazu aus. Vom Grundsatz her ist die Idee, niemandem wehtun zu wollen, gewiss eine sehr löbliche, doch verursache ich mit meinen gefühlten Neins, die ich nicht zur Sprache bringe, weitaus größeren Schaden, weil das gespielte Ja unecht ist und ich insofern meinem Gegenüber UND mir schade. Mir weil ich etwas tue, was ich nicht tun möchte, meinen Gegenüber der Lüge mit all ihren weitreichenden Konsequenzen wegen.

Und was bringt mir dieses Wissen? Nichts! Weil ich zu feige für das Nein und damit einhergehend auch für die Wahrheit bin.

Ich denke ich werde auch diesmal so verfahren müssen, um annähernd ich zu bleiben und um mich selbst nicht der Gefahr auszusetzen, einmal mehr wider meinen Willen zu handeln, bloß damit es dem Gegenüber (scheinbar) gut geht. Scheinbar insofern, als dass es die schmerzliche Wahrheit nicht kennt. Dabei habe ich mir schon soooooo oft vorgenommen, es endlich zu sagen, auch weil mein Verstand darum weiß, dass es langfristig so gewiss besser ist. Befinde ich mich dann aber in der konkreten Situation, in der ich es sagen könnte, stülpt sich die Feigheit lähmend über mich, was ich menschlich betrachtet höchst verwerflich finde.

Seit Wochen denke ich darüber nach, etwas von mir und meinen Gefühlen in meinen Blog zu schreiben, der mir lange Zeit wie ein Verbündeter schien, und nicht nur eine Beschreibung von irgendwelchen Ausflügen, die natürlich auch mit Gefühlen verbunden sind, zu präsentieren. Leider schränken mich diesbezüglich aber etliche Barrieren ein. Die vornehmlichste unter ihnen ist jene, dass es einfach zu viele Bekannte gibt, die meine Zeilen lesen könnten. Zeilen, in denen ich nicht etwas Kränkendes über sie schreiben würde, aber Zeilen, in denen ich ihnen eine Nähe gewähren würde, die ich ihnen heute (derzeit?) einfach nicht (mehr?) zuerkennen möchte, wobei nichts vorgefallen ist, was diesen Entschluss rechtfertigen würde.

Ich möchte vermeiden, per se „durchsichtig“ zu sein und Menschen, die ich persönlich kenne, mit einem einzigen Klick auf meinen Blog die Möglichkeit, mir bis zum Urgrund meiner Seele zu blicken, zu geben. Ich habe darüber hinaus auch einfach keine Lust auf Spekulationen über meine Befindlichkeit, weil jemand zu wissen glaubt, wie es mir geht, wenn er meine Zeilen liest. Seltsamerweise ist mir das bei denen, die ich nicht kenne, egal.

Als weiteres Hindernis befürchte ich zudem, dass meine Gedanken und Gefühle möglicherweise doch den einen oder anderen überraschen und ggf. auch verletzen könnte, obwohl ich mit all meinen Emotionen immer nur bei mir bliebe. Mehr kann ich ja auch gar nicht. Manchmal, eher häufig, schränkt mich darüber hinaus auch die Sorge ob meiner Wortwahl ein, weil ich Angst habe, dass das, was ich formuliere, Nonsens sein könnte und der geneigte Leser bildlich gesprochen schreiend davonläuft. Zu guter letzt scheue ich mich auch deshalb hier meine Ansichten aufzuschreiben, weil ich glaube, dass einige davon abnorm sind, zumal mir meine Gedanken manchmal Knüppel zwischen die Beine werfen, die ich an der Realität so gar nicht überprüfen kann. Manche meiner Gedanken scheinen sich wie Träume zu bilden, die sich Schnipsel aus Erlebten und Fiktiven zusammenklauben, um mich im Anschluss mit einer selbst ersonnenen Möglichkeit zu quälen.

Genug erläutert! Heute habe ich zumindest mal kurz Held gespielt, um diesen Barrieren für einen kleinen Moment ein Schnippchen zu schlagen.

Da sind sie wieder, einmal mehr, meine Gedanken, die ich nicht unter Kontrolle bekomme, die den Schlaf trotz Müdigkeit nicht über mich kommen lassen wollen.

Wenn man sich Vertrauen - in sich und andere - nur einfach irgendwie kaufen könnte, meinetwegen auch erzwingen, aber in diesem Punkt schaffe ich es einfach nicht, über meinen eigenen meterlangen Schatten zu springen, vor dem ich mich erst kürzlich selbst erschrak (und froh war, dass dieser Aktion außer dem Schrecken, der bestürzt lächelnd auf meiner Schulter saß, niemand beigewohnt hat).

Wieso kann ich mir selbst nicht wohlgesonnen und Freund sein?

Wieso wütet stattdessen mein größter Feind selbstzerstörend in mir?

Und warum hat sich das leibhaftige Drama in mir eingenistet?

Geht denn immer nur alles in Extremen?

Liebe oder Hass, Himmel hoch jauchzend oder zu Tode betrübt, kurz: Schwarz oder Weiß?

Hat der Malkasten des Lebens denn nicht viel mehr und kraftvollere Farben in petto? Doch, hat er, sagt mein Verstand, während ich aber doch nur mit den zwei altbekannt gehaltlosen male.

Wenn es so kommt, wie ich befürchte, aber nicht hoffe (!), wird die nächste Woche böse enden. Ich kenne mich leider nur zu gut, um zu wissen ahnen, dass ich meine Gedanken nicht in einen sicheren Käfig sperren kann, von dem aus sie keinen Schaden mehr anrichten. Ich fühle mich ihnen ausgeliefert.

 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma