Aeltere Beitraege von blogger de
Aergerlich
Angst
Aus der Welt der Nachrichten
Des Lebens muede
Ein neuer Tag
einsam & verlassen
Familie
Freizeit
Freude
Job
Kaum zu glauben
Kino
Kurioses
Nicht von dieser Welt
Omas Krebs
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
icon

 
Der Zeit innewohnendes Merkmal ist vor allen Dingen eines: dass sie mit jeder Sekunde voranschreitet und das eben noch Gegenwärtige mit jedem hereinbrechenden Sekundenschlag in die Vergangenheit katapultiert. Vielleicht verwundert es insofern gerade auch reifere (älter zu sagen klänge meine Erachtens so abgelebt) Menschen kaum, dass Zeit im subjektiven Empfinden immer rascher vergeht, da die diesbezüglich gesammelte Erfahrung sich mit jeder verstrichenen Sekunde maximiert.

Für mich fühlt es sich zumindest so ähnlich an, wenn ich darüber nachdenke, dass ich meinen Ursprungsabschluss in der Hauptschule (später wechselte ich noch in andere Schulen, um mein Abitur nachzumachen) mittlerweile schon vor 25 Jahren absolvierte. 25 Jahre. Ein Viertel Jahrhundert. Eine ausgesprochene Ewigkeit, die sich in der Erinnerung doch wie gestern anfühlt.

Wie viel von diesem Gestern tatsächlich noch da ist, werde ich heute Nachmittag erfahren, wenn ich mich um 15 Uhr zum Klassentreffen einfinden werde, auf das ich mich einerseits freue, andererseits auch Angst davor habe, weil ich befürchte, dass die Kluft zwischen gefühlter Jugend und realem Erwachsensein doch enorm ist. Möglicherweise wird die Zusammenkunft heute, die in unserer einstigen Schule beginnt, auch einem Science Fiction geprägten Ausflug in die Vergangenheit, an der ich mich bis heute gedanklich so gerne festhielt, gleichen.

Fakt ist, dass ich aufgewühlt bin und Sorge habe, dass mein Traum an das, was war, durch faktische Erlebnisse heute zerplatzen könnte, womit eine mentale Kraftquelle austrocknen würde.

Stockholms Stadshus', das Rathaus der schwedischen Hauptstadt Stockholm, beherbergt den Sitz der Stadtregierung und des Stadtparlamentes. Dort wird in der Blauen Halle (Blå hallen) jährlich das Festessen anlässlich der Vergabe der Nobelpreise abgehalten.Mal ganz unabhängig von der Finanzierbar- und Machbarkeit: Hätte ich das Sagen in einem Land, würde ich die arbeitende Bevölkerung im Jahr nicht mit rund sechs Wochen Urlaub „verwöhnen“, sondern gegenteilig: die Bürde bestünde darin, rund sechs Wochen im Jahr zu arbeiten, um die andere Zeit mit Leben zu füllen. Dass sich mit dieser gewonnenen Freizeit möglicherweise auch Probleme ergäben, ist mir durchaus bewusst, aber diese möchte ich an dieser Stelle ganz bewusst ausklammern, da dem Brainstormen ja keine Hindernisse aus der Realität im Weg liegen und Fiktionen zum Glück möglich sind.

Wie ich ausgerechnet jetzt darauf komme? Die Gedanken an sich sind nicht neu. Ich habe sie hier nur noch niemals veröffentlicht, doch nach dem Städtetrip nach Stockholm, der mir diese zeitlichen Knebel einmal mehr vor Augen hielt, komme ich nicht umhin, meinen Kummer darüber zum Ausdruck zu bringen, dass die Lebenswahrheit so eine ganz andere ist.

Um es in ein paar wenigen Worten zu sagen (die, die es interessiert, können hier Näheres erfahren): Stockholm war gigantisch, charismatisch durch die prächtige Wasserlandschaft, die mit über 50 Brücken einen unvergleichlichen Anblick bietet, sehr sauber, natural weitflächig, aber doch auch überschaubar, was die Erreichbarkeit der Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel das Vasamuseet (das meistbesuchte Museum Stockholms), der Palast von Stockholm (das Kungliga Slottet, das die größte Residenz des Königs in ganz Schweden ist), das Freiluftmuseum Skansen (das weltweit größte und älteste Open-Air-Museum) oder auch Gamla Stan (die Altstadt) betrifft.

Schwedische Krone, die vor dem Stadtschloss der Königsfamilie, prangt.Die rund 800.000 Einwohner große schwedische Hauptstadt, die sich auf 14 Inseln verteilt, überraschte mich aber vor allen Dingen mit mediterran-heißen Temperaturen und Sonne satt, was ich niemals gedacht oder zu hoffen gewagt hätte. Verwundert hat mich zudem die Tatsache, dass es nachts so gut wie gar nicht dunkel wurde (es war ja auch kurz nach Midsommar). Klar hatte ich schon davon gehört, es aber selbst zu erleben und wahrzunehmen, war mit dem Verstand für mich zunächst kaum zu begreifen. Eine Nacht, die keine Nacht ist? Eine Nacht, deren Dunkelheit nicht dunkel ist? Eine Nacht, die keine Angst macht! Wahrlich seltsam, aber unglaublich beeindruckend.

Bedauerlicherweise verstrichen die Tage in der Stadt mit den urigen, terrakottafarbenen Häusern und den südländischen schmalen Gassen unendlich viel schneller, als es mir lieb war. Warum kann ich nicht Berufsurlauberin sein, fragte ich mich und warum gibt es keinen Sekundenkleber für die Zeit? Warum muss ich mich - trotz höchsten Wohlgefallens - der Realität beugen? Die Vernunft antwortete, dass ich ein Geschöpf der Realität bin und wohl in selbiger leben muss, um auf diesem Planeten zu bestehen, weshalb ich mich schweren Herzens ins Flugzeug setzte und darauf setzte, dass die Erinnerung mich zukünftig immer wieder an diesem Wohlgefallen partizipieren lässt.

Dem neuen, mir vom Geräuschpegel her viel zu lauten Großraumbüro für eine Woche den Rücken kehrend, versuche ich gerade all das, was damit zusammenhängt, auszublenden, um mich in Gänze der kommenden Woche hinzugeben, die ich ab morgen mit dem Pan in Stockholm verbringen werde.

Siegerehrung der Minigolf-HeldenDen Gedanken an die Zeit danach versuche ich auch deshalb nicht zuzulassen, weil nach der Rückkehr aus dem „Venedig des Nordens“ bis Ende September eine sehr stressige Zeit anstehen wird. Aber lassen wir die Sorgen mal in der Sorgenkiste der Zukunft, zumal ich im Heute lebe, es zumindest versuchen möchte, was mein bewusstes Wahrnehmen betrifft, weswegen auch nur das Heute zählen soll. Dieses Heute, das ich mit einigen Freunden, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, höchst amüsierend auf dem Minigolfplatz verbracht habe. Das gab Kraft! Gänzlich überraschend und unerwartet.

Ach wie habe ich ihn, den heutigen Tag, gescheut, der nun gänzlich früher als vorhergesagt kam.

Umzüge sind bei uns im Verlag nichts Besonderes. Ich würde fast behaupten, dass - so vernahm ich es aus Erzählungen von Menschen, die dort schon jahrelang beschäftigt sind – man alle zwei bis drei Jahre die Wirkungsstätte wechselt. Ich selbst bin jetzt fünf Jahre dabei und werde heute zum dritten Mal umziehen: vom lichtdurchfluteten, Arbeitatmosphäre höchst angenehmen 4-Mann-Büro ins riesige Großraumbüro, in dessen letzter lichtloser und gänzlich Fenster fernen Ecke wir nun unser Dasein weilen werden, wobei eine künstlich geschaffene Stellwand, die uns vom nächsten 4-er Grüppchen, das uns fast auf dem Schoß sitzt (oder wir ihnen), zudem Licht schluckt. Erst dann, wenn wir den Blick weit in die Ferne, sprich an den Horizont gleiten lassen, erahnen wir irgendwo ein Fenster.

Als „Das-Wasserglas-ist-halbleer-Seher“ glaube ich auch nicht daran, dass sich künftig, trotz aller bisherigen mehr oder minder regelmäßigen Wechsel, in Zukunft ein Umzug in ein kleineres Büro ergeben wird. Das Arbeiten in diesem großen Büro macht mir echt Angst.

Liselle und TimDass mich diese Tage der Woche begleitende pseudonyme Geheimnis ist gelüftet – und ich bin wie eine von der Tarantel Gestochene meine Freude nicht anders Ausdruck verleihen Könnende wild durchs Büro gerast habe richtig vermutet: Wir haben Familienzuwachs bekommen, das heißt vielmehr Tim eine neue Freundin.

Liselle.

Ein wirklich zauberhaft anmutiges Geschöpf, das derzeit mit Tim im Wohnzimmer die ersten Bande einer – und hier bin ich mir sicher – wunderbaren Freundschaft schließt, wenngleich derzeit beide noch etwas verschüchtert sind, aber Rom wurde bekanntermaßen auch nicht an einem Tag erbaut, und eilig haben es die beiden sich einander Wohlwollenden ja zudem nicht.

Wenn ich nicht so sehr an mir selbst zweifeln würde, wäre ich vermutlich nur geschmeichelt, so fällt es mir schwer zu glauben, was sich eben auf dem Nachauseweg von der Arbeit, auf dem ich einen kurzen Einkaufszwischenstopp eingelegt habe, ereignet hat.

Ich war, wie eben erläutert, tatsächlich nur ganz kurz in einem Geschäft, vor dem sich ein dazugehöriger Parkplatz befand. Als ich aus dem Laden wieder herauskam und die Fahrertür öffnen wollte, sah ich einen kleinen zusammengefalteten Zettel an der Türklinke hängen. Im allerersten Moment dachte ich, dass sich vielleicht jemand darüber erbost, dass ich einen falschen Parkplatz benutzt habe, doch nachdem ich das mit leichtem Schrecken verneinen konnte, kam mir gleichermaßen kurzfristig in den Sinn, dass möglicherweise jemand das Auto angefahren hat, wobei ich hierzu sagen muss, dass das jüngst zweimal geschah, doch um das zu überprüfen, musste ich natürlich den Zettel erst lesen, der stattdessen die zweite Annahme bekomplimentierend verwarf.

So ganz glauben kann ich es ja noch immer nicht, aber wer sollte sich auf diese völlig unvorhergesehene Situation einen Scherz erlauben?

Was auf dem Zettel stand?

Hallo schöne Unbekannte!

Habe dich zwar nur kurz gesehen, mich aber sofort in dich verguckt!
Ich: 38 Jahre, 195 cm, 82 kg, schwarze Haare, braune Augen, würde
Dich gerne kennenlernen, wenn Du auch Single bist?

Meine Telefonnummer lautet: xxx

Ganz lieber Gruß
Oliver


Tja, was soll ich nun davon halten? Natürlich fühle ich mich einerseits gebauchpinselt, anderseits habe ich eben noch mal in der Montur des heutigen Tages in den Spiegel gesehen und kann absolut nicht glauben, dass das jemand ernst meint. Sein so genanntes „vergucken“ ohnehin nicht. Was veranlasst nur jemand, ausgerechnet MIR so etwas zu schreiben? MEIN Blick in den Spiegel rechtfertigt das nicht. Vielleicht hat er mich wirklich nur gaaaaaanz von der Ferne gesehen, (m)eine Silhouette sozusagen und damit möglicherweise eine idealisierte Umrisslinie meines Profils? Ich habe echt keine Ahnung, kann aber nur wiederholen, dass ich das für mich im höchsten Maße anzweifle, wenngleich ich Oliver keinen Lügner nennen möchte.

Vor über 20 Jahren, als mein Gesicht noch frei von Falten war und mir die Jugend ins Gesicht geschrieben stand, hatte ich ein ähnliches Erlebnis, als ich mit meiner Oma einkaufen war. Als wir an der Kasse bezahlten, hat mir ein Kunde gleichermaßen einen Zettel in die Hand gegeben, wobei das damals ein Einkaufszettel war, dessen Rückseite er beschrieben hatte. Auch er wollte mich kennenlernen. Soweit ich mich entsinne, habe ich mich einmal real mit ihm getroffen. Im Anschluss hielten wir noch über Jahre Briefkontakt, der dann – ich kenne die näheren Gründe dafür gar nicht – aber irgendwie versandete.

Die letzten beiden Tage wurde meine Geduld ein wenig mehr in Anspruch genommen, was die ausstehende Überraschung betrifft.

Als ich gestern ins Büro kam, lag auf meinem Schreibtisch ein Zettel mit folgender Botschaft:

Der Countdown läuft!
Lass Dich überraschen!
FBI = Dein Freudiger (Über-)Bringer von (Geschenk-)Ideen


Den heutigen Tag verbrachte ich aufgrund einer Schulung kaum im Büro, wobei ich in der Mittagspause meiner Mails wegen mal schnell ins Büro huschte und folgende in großen Lettern geschriebene Nachricht vorfand:

Nur noch 1 Tag – dann wird das Geheimnis gelüftet!
FBI = Dein Freudiger (Über-)Bringer von (Geschenk-)Ideen


Soll heißen, dass morgen mein Tag der Tage ist, wobei ich ja schon eine kleine Vorahnung zu haben glaube. Aber lassen wir das spekulieren! Ich halte mich lieber an das geschriebene Wort, das da heißt: Lass Dich überraschen. Gespannt bin ich allemal.

Ich war nur für einen klitzekleinen-langen Moment aus dem Büro, den ein (bisher noch) Unbekannter dazu nutzte, mir einen geheimnisvollen Zettel (siehe Foto) auf meinen Schreibtisch zu platzieren. In größter Verschwiegenheit widerstanden meine mit mir das Büro direkt teilenden drei Arbeitskollegen meiner Wissbegierde, der ich auch mit attackierenden Kitzelattacken nicht zu ihrem Erfolg verhelfen konnte.

Magst Du Überraschungen? Dann halte diese Woche deine Augen offen! FBI = Dein F reudiger (Über-) B ringer von (Geschenk-) Ideen

Es wird sich gewiss um ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk handeln, dessen bin ich mir weitestgehend sicher, aber was haben sie sich diesmal einfallen lassen?

Vergangenes Jahr haben mir meine Büro-Lieben eine Profikillerbox geschenkt, die ich als brutale Maul-Heldin Berufsmörderin natürlich auch gut gebrauchen kann.

Vielleicht, wenn ich den Zettel 1:1 lese, sprich ihn wörtlich nehme, werden sie diesmal auf meine ganz andere leidenschaftlich ermittelnde Profession eingehen, nämlich jene bei der bundespolizeilichen Ermittlungsbehörde des Justizministeriums der Vereinigten Staaten, kurz dem FBI, dem ich in geheimer Mission angehöre und dessen Wahlspruch „Treue, Mut, Integrität“ sich tief in mein Herz gegraben hat.

Noch kann ich nur mutmaßen, doch ich halte Augen und Ohren offen …

 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma