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Freizeit

Berliner-Urgestein und seit vorgestern Familienzuwachs: Fabian.Es gibt Menschen MIT Herz und Menschen OHNE und Erwachsene, die ihr inneres Kind verloren haben und mit diesem ihnen innewohnenden sachlich-nüchternen Agieren vermutlich glauben, sie haben die Weisheit für sich gepachtet, während sie zeitgleich viele andere von oben belächeln. Auf einen solchen Anti-Scherzkeks sind wir, der Pan und ich, gestern auf der Rückfahrt von Berlin nach Würzburg gestoßen, der mit drei weiteren Karten spielenden Freunden – alle so um die Mitte bis Ende 50 Jahre – das Abteil mit uns teilte. Als wir uns vor den Horden des völlig überfüllten Zuges in jenes flüchteten selbiges betraten, warnte uns der Schlaumeier schon vor, dass sie manchmal laut würden. Des Spaßes wegen erwiderte ich, dass wir dann gegebenenfalls einfach zurückschreien würden, wobei der Lärmpegel nicht das Problem der Fahrt war, sondern die ehrverletzenden Äußerungen des umgangförmlichen Grobians, der während der Zugfahrt auch das gesamte Abteil davon in Kenntnis setzte, dass er jetzt mal „groß“ müsse, was er mit dem fragenden Zusatz komplettierte, ob 12 Minuten, die der Zug noch bis zu seinem Bestimmungsort fuhr, dafür ausreichend wären. Wie peinlich ist das denn?

Aufgeweckt, frech und stets höchst unterhaltsam: Fabi(an), Berliner-Urgestein und unser jüngster Familienzuwachs.Schmachvoll und kränkend äußerte er sich übrigens nicht mir und dem Pan direkt, sondern eher indirekt, nämlich unserem neuen „Kind“ Fabi(an) gegenüber, einem waschechten Berliner, den wir am Samstagabend aus den Fängen seines langweiligen Kaufhaus-Daseins erretteten. Just ab diesem Zeitpunkt erhielt unser Kurztrip in die Spreestadt eine gänzlich neue und höchst unterhaltsame Dimension, da der Kleine durch sein charmantes und offenherziges, ja aufgewecktes Wesen bald in jede Menge strahlende und lachende Gesichter blickte. Auch wenn die Bande der Freundschaft noch ganz zart sind, gewann er doch zahlreiche Herzen: angefangen von den beiden Verkäuferinnen, denen wir ihn entlockten, einem Pärchen in der U-Bahn, über unserem Hotelportier, einer Fahrkartenkontrolleurin, die ihn auf der Rückfahrt von einer Stippvisite nach Potsdam auch gleich wieder erkannte, einem auf ihrem Laptop Twilight-sehenden-Mädchen bis hin zu einem zirka 18-20-jährigen Jungen, mit dem Fabi gestern am meisten Spaß hatte. Wie so viele andere, saß auch dieser Junge des Platzmangels wegen im Flur, zu unserem Glück genau Nase an Nase mit Fabi, mit dem er durch die Glasscheibe herzige Konversation betrieb, was für Gelächter auf beiden Seiten sorgte.

Zurück zu dem ungebührlichen Rohling aus unserem Zugabteil, der Fabian taktlos als eine hirnlose Mischung aus Schaf und Kamel bezeichnete. Unglaublich wie gefühllose manche Menschen sein können. Zwei der anderen Freunde von ihm verhielten sich Fabi gegenüber wenigstens neutral, während der Vierte im Bunde ihm gleichermaßen wohlwollend gesonnen war und ihm auch Platz auf seiner Schulter anbot, damit er von oben das Kartenspiel beobachten konnte.

Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich war, als der derbe Klotz in Fulda endlich ausstieg.

ReichstagsgebäudeSpontan, kurzweilig und sinnreich – so könnte man in kurzen Schlagworten unseren Tagestrip nach Berlin heute nennen. Das Glück war mir hold und bescherte mir erfreulicher Weise gänzlich überraschend ein freies Wochenende. Um diese Gunst zu nutzen, entschieden wir, der Pan und ich, uns kurzerhand, heute in die Landeshauptstadt zu fahren, in der wir beide zuvor zwar schon einmal waren, aber niemals zusammen. Mein letzter Aufenthalt liegt zudem etliche Jahre zurück. Unseren inneren Schweinehund, der uns mit der Tatsache der 8 Stunden-Bahnfahrt (hin und zurück) für ein paar gefühlte Momente vor Ort konfrontierte, mussten wir zunächst erst einmal überwinden. Als wir jenen aber in die Schranken verwiesen und den Ausflug mit der Aussicht auf sonniges Wetter und den vergnüglichen Stunden in Berlin erstmal antraten, lag der Tag verheißungsvoll vor uns. Und wahrlich: wir wurden nicht enttäuscht. Ein paar mögliche Ziele im Kopf habend, die wir vor Ort noch ergänzten, eilten wir im gemütlichen Tempo und gänzlich stressfrei durch die Straßen der Stadt.

Holocaust-DenkmalAlexanderplatz mit Nikolaikirche, Hackesche Höfe, Museumsinsel, Brandenburger Tor, Holocaust-Denkmal, Science Center, Sony Center, Reichstag, Bundes-kanzleramt war die Route der Sehenswürdigkeiten, die wir uns ansahen. Sind jetzt seit ein paar Minuten wieder zurück.
Fazit des Tages: es hat sich AUF JEDEN FALL gelohnt, die Stunden in der Bahn verflogen wesentlich rascher als wir dachten, wobei ich als kleiner Nörgler doch noch eines hinzufügen möchte, was aber nur marginal von Bedeutung ist – der Himmel hätte für die Fotos etwas blauer sein können. Erst am späten Nachmittag war er so satt, dass der Kontrast für die Fotos mir vortrefflich schien.

Stockholms Stadshus', das Rathaus der schwedischen Hauptstadt Stockholm, beherbergt den Sitz der Stadtregierung und des Stadtparlamentes. Dort wird in der Blauen Halle (Blå hallen) jährlich das Festessen anlässlich der Vergabe der Nobelpreise abgehalten.Mal ganz unabhängig von der Finanzierbar- und Machbarkeit: Hätte ich das Sagen in einem Land, würde ich die arbeitende Bevölkerung im Jahr nicht mit rund sechs Wochen Urlaub „verwöhnen“, sondern gegenteilig: die Bürde bestünde darin, rund sechs Wochen im Jahr zu arbeiten, um die andere Zeit mit Leben zu füllen. Dass sich mit dieser gewonnenen Freizeit möglicherweise auch Probleme ergäben, ist mir durchaus bewusst, aber diese möchte ich an dieser Stelle ganz bewusst ausklammern, da dem Brainstormen ja keine Hindernisse aus der Realität im Weg liegen und Fiktionen zum Glück möglich sind.

Wie ich ausgerechnet jetzt darauf komme? Die Gedanken an sich sind nicht neu. Ich habe sie hier nur noch niemals veröffentlicht, doch nach dem Städtetrip nach Stockholm, der mir diese zeitlichen Knebel einmal mehr vor Augen hielt, komme ich nicht umhin, meinen Kummer darüber zum Ausdruck zu bringen, dass die Lebenswahrheit so eine ganz andere ist.

Um es in ein paar wenigen Worten zu sagen (die, die es interessiert, können hier Näheres erfahren): Stockholm war gigantisch, charismatisch durch die prächtige Wasserlandschaft, die mit über 50 Brücken einen unvergleichlichen Anblick bietet, sehr sauber, natural weitflächig, aber doch auch überschaubar, was die Erreichbarkeit der Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel das Vasamuseet (das meistbesuchte Museum Stockholms), der Palast von Stockholm (das Kungliga Slottet, das die größte Residenz des Königs in ganz Schweden ist), das Freiluftmuseum Skansen (das weltweit größte und älteste Open-Air-Museum) oder auch Gamla Stan (die Altstadt) betrifft.

Schwedische Krone, die vor dem Stadtschloss der Königsfamilie, prangt.Die rund 800.000 Einwohner große schwedische Hauptstadt, die sich auf 14 Inseln verteilt, überraschte mich aber vor allen Dingen mit mediterran-heißen Temperaturen und Sonne satt, was ich niemals gedacht oder zu hoffen gewagt hätte. Verwundert hat mich zudem die Tatsache, dass es nachts so gut wie gar nicht dunkel wurde (es war ja auch kurz nach Midsommar). Klar hatte ich schon davon gehört, es aber selbst zu erleben und wahrzunehmen, war mit dem Verstand für mich zunächst kaum zu begreifen. Eine Nacht, die keine Nacht ist? Eine Nacht, deren Dunkelheit nicht dunkel ist? Eine Nacht, die keine Angst macht! Wahrlich seltsam, aber unglaublich beeindruckend.

Bedauerlicherweise verstrichen die Tage in der Stadt mit den urigen, terrakottafarbenen Häusern und den südländischen schmalen Gassen unendlich viel schneller, als es mir lieb war. Warum kann ich nicht Berufsurlauberin sein, fragte ich mich und warum gibt es keinen Sekundenkleber für die Zeit? Warum muss ich mich - trotz höchsten Wohlgefallens - der Realität beugen? Die Vernunft antwortete, dass ich ein Geschöpf der Realität bin und wohl in selbiger leben muss, um auf diesem Planeten zu bestehen, weshalb ich mich schweren Herzens ins Flugzeug setzte und darauf setzte, dass die Erinnerung mich zukünftig immer wieder an diesem Wohlgefallen partizipieren lässt.

Dem neuen, mir vom Geräuschpegel her viel zu lauten Großraumbüro für eine Woche den Rücken kehrend, versuche ich gerade all das, was damit zusammenhängt, auszublenden, um mich in Gänze der kommenden Woche hinzugeben, die ich ab morgen mit dem Pan in Stockholm verbringen werde.

Siegerehrung der Minigolf-HeldenDen Gedanken an die Zeit danach versuche ich auch deshalb nicht zuzulassen, weil nach der Rückkehr aus dem „Venedig des Nordens“ bis Ende September eine sehr stressige Zeit anstehen wird. Aber lassen wir die Sorgen mal in der Sorgenkiste der Zukunft, zumal ich im Heute lebe, es zumindest versuchen möchte, was mein bewusstes Wahrnehmen betrifft, weswegen auch nur das Heute zählen soll. Dieses Heute, das ich mit einigen Freunden, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, höchst amüsierend auf dem Minigolfplatz verbracht habe. Das gab Kraft! Gänzlich überraschend und unerwartet.

Die ganzen vergangenen Tage habe ich immer wieder nur gefroren. Gefroren, gefroren und nochmals gefroren. Fast würde ich behaupten, dass schon ein gewisses, leider aber sehr nutzloses, Talent dazu gehört, so zu frieren. Möglicherweise werde ich aber auch einfach nur krank, was zwar sehr selten vorkommt, eigentlich nie, aber nicht im Bereich des Unmöglichen liegt, sich aber momentan fast ein bisschen so anfühlt. Möglicherweise habe ich die vergangenen Tage – wie so oft – aber auch einfach nur viel zu wenig geschlafen und war insofern anfällig oder sensibler in der Wahrnehmung für kühlere Temperaturen. Wir, das heißt ich, werde ja sehen, auf welcher Tatsache meine Vermutung basiert, denn in den kommenden drei Wochen wird es kaum einen verpflichtenden Termin geben, der mich nach wenigen Stunden Schlaf aus dem Bett zwingt. Warum? Weil ich bis zum 23. November Urlaub habe. Urlaub, vor dem ich das erste Mal Angst habe, obwohl ich mich doch auf Etwas ganz besonders freue: auf das erste Mal Schwitzen. Nach so viel Frieren freue ich mich wirklich auf durch zu viel wahrgenommene Wärme bedingte Transpiration.

Wir, das Pänchen und ich, fliegen auch dieses Jahr wieder in die Staaten, wie schon all die Jahre zuvor im Herbst. So spät wie dieses Jahr sind wir allerdings noch nie geflogen. Am Montag um 14 Uhr heißt es dann „Tschüss Deutschland“, um gen Westen zunächst nach Chicago und von dort weiter nach Phoenix zu fliegen, von wo aus wir mit dem Auto weiter nach Los Angeles fahren werden, um am 8. November schließlich ein weiteres Mal (vorletztes Jahr haben wir das schon einmal gemacht) einem Who-Konzert zu frönen. Wer den Pan kennt, weiß, dass das seine Götter sind und sie es auch vermögen, ihn die Angst vorm Fliegen auch diesmal wieder überwinden zu lassen.

Wie wir von Los Angeles weiter fahren, wissen wir noch nicht genau, auf jeden Fall irgendwann auch wieder ostwärts. Als östlichsten Punkt haben wir grob geplant Santa Fe und Albuquerque in New Mexiko vorgesehen, um von dort runter nach El Paso an der mexikanischen Grenze und schließlich wieder westwärts über Tucson nach Phoenix zu fahren, von wo aus wir am 18. November auch wieder zurückfliegen werden.

Bedingt durch die Tatsache, dass wir so spät reisen, wissen wir aber auch noch nicht genau, wie uns das Wetter gewogen sein wird. Wenn wir alles Geplante realisieren, müssen wir uns einem breiten Temperaturspektrum – von Schnee bis 30 Grad – stellen. Ich denke, dass wir das dann auch vor Ort entscheiden und uns der wheater-channel einmal mehr ein verlässlicher Ratgeber sein wird. So wie letztes Jahr (oder war es vorletztes Jahr?), als wir dem schlechten Wetter davonfuhren.

StartenorJetzt also auch SIE. Wie ich eben der Klatsch-Presse entnahm, ist auch die Queen dem Virus der WII erlegen – wie so viele in der jüngsten Vergangenheit. In vielen Großstädten sind die Konsolen schon seit Wochen ausverkauft. Auch bei uns in Würzburg herrscht sei einiger Zeit diesbezüglich ein Mangel, wobei wir selbst schon im November das Vergnügen hatten, eine solche zu erwerben – ganz zur Erheiterung im Freundeskreis.

Englischen Medienberichten zufolge soll Königin Elizabeth II. ganz begeistert von der Konsole sein, die Prinz William von seiner Freundin Kate geschenkt bekommen hat. Er, der Enkel, würde aber angeblich gar nicht mehr zum Spielen kommen, denn seit die 81-jährige Monarchin sein neues Spielzeug für sich entdeckt hat, heißt es in dem Onlinemagazin People.co.uk, hat sie es in Beschlag genommen und ist angeblich nicht mehr davon wegzubringen.

Ferner heißt es, dass die 81-jährige Königin sich sofort an Wii Sports versucht und sich erstaunlich talentiert gezeigt haben soll: "Beim Bowling hat sie eine derart gute Hand-Auge-Koordination an den Tag gelegt, wie sie sonst nur bei Menschen zu finden ist, die halb so alt sind. Es war wahnsinnig komisch.“, meinte William, der Lachkrämpfe bekam und darüber hinaus sehr beeindruckt ist, solch eine coole Oma zu haben.Ich geb ALLES!
Lachkrämpfe habe auch ich schon beim WII-Spielen gehabt, zuletzt als wir Karaoke sangen und Ralf sein wirklich köstliches Mambo Nr. 5 zum Besten gab – ich lag am Boden, was zwar fies war, aber es war einfach nur unglaublich komisch, als wir uns die Aufzeichnung angehört hatten. Sorry Ralf! Andererseits ist es DIR damit gelungen, mich für einen Moment aus einer ziemlich traurigen Stimmung herauszuholen. Einen Tag zuvor habe ich mir mit Gerald beim Tanzwettbewerb eine wahre „wer-tanzt-die-besseren-Figuren-Schlacht“ geboten. Auch hier kam ich aus dem Lachen und Schwitzen kaum raus. In diesem Zusammenhang versuche ich mir die Queen gerade singend und tanzend vor dem Bildschirm vorzustellen. Wahrscheinlich ein Bild für Götter.

Nur wer sich einsetzt, punktet!Thema Bowling bei Wii Sports: Das ist um ein Vielfaches leichter als im wahren Leben, vergnüglich ist es aber trotzdem.

Kleiner Spartipp am Rande: Nachdem die Strom- und Gaspreise seit Anfang des Jahres angehoben wurden, ist das Wii-Spielen übrigens eine gute Möglichkeit, Heizkosten zu sparen, weil man, wenn man sich darauf einlässt und mit allem, was man zu bieten hat, mitmacht, ganz schön ins Schwitzen gerät, was besonders diejenigen gut einordnen können, die mich als Frostmaus der Nation kennen. Erheiternd, ja sogar bemerkenswert, finde ich zudem die Tatsache, dass man aufgrund der teilweise ungewohnten Bewegung, die manche Aktionen einfordern, am nächsten Tag, manchmal sogar darüber hinaus, Muskelkater hat. Aber was nicht tötet, härtet bekanntermaßen ab – und der Spaß ist es allemal Wert!

Bringen angeblich Glück und sehen zudem noch entzückend aus: SternschnuppenEndlich mal ein Regen, der keine schlechte Laune macht: Heute Nacht taucht die Erde in die Bahn des Kometen Swift-Tuttle ein, was einen Sternschnuppenregen zur Folge hat. Um 2 Uhr, wenn der Höhepunkt des himmlischen Spektakels erwartet wird, sollen bis zu 100 Meteore pro Stunde über das Firmament huschen. Wenn das mal nicht ein Grund ist, die Nacht ein wenig länger aufzubleiben, obgleich der nächtliche Himmel durch dichte Wolken getrübt ist, was die Möglichkeit des Sehens erheblich minimiert, wenn nicht sogar unmöglich macht.

Und für all jene, die diese Nacht keine Zeit, Lust oder Muse haben, sei erwähnt, dass auch in den folgenden Nächten mit Sternschnuppen zu rechnen ist, allerdings in einer erheblich reduzierten Anzahl.

Castelo de Sao Jorge: Die Festung des heiligen Georg ist die hoch über den Dächern der Stadt thronenden Wiege Lissabons.
In Anbetracht des Umstandes unseres fröstelnden Miteinanders zum Zeitpunkt unseres Reisebeginns, haben wir gut eineinhalb harmonische Tage miteinander verschenkt. Zeit, in der wir uns wie Fremde begegneten. Zeit, in der wir genauso gut die Gestalt eines Fisches hätten haben können, weil wir uns nicht mehr als einander „anblubbten“.


Zeit, in der ich Lissabon bewunderte, mich - vor allen Dingen auch am ersten Abend - ob der stets neuen Eindrücke, die an jeder Straßenecke mit neuer Vielfalt genährt wurden, kaum vor Begeisterung zurückhalten konnte. Zeit, in der ich entschied, diese Stadt zu mögen, sie für mich als ungefährlich und überschaubar einzustufen.
Die mich in den Bann gezogene Metro-Station Olaias.Zeit, in der ich wahrnahm, nichts zu vermissen: weder den PC noch Nachrichten, die ansonsten neben der Arbeit mein Dasein bestimmen. Zeit, in der mich vieles an Rotondella, den Geburtsort meines Vaters, ein kleines Bergdorf tief im Süden Italiens, erinnerte. Zeit, in der ich die Ruhe der Einheimischen registrierte und in der Gemächlichkeit einer anderen Kultur abtauchte. Aber auch Zeit, die ich trotz innerem Enthusiasmus nicht teilen konnte, weil ich in Begleitung allein gelassen wurde, was mich ungeachtet aller Entzückung für diese Stadt doch sehr traurig stimmte. Insofern war das Zusammensein widerlich und angenehm zugleich, zumindest für diese ersten eineinhalb Tage, die darin gipfelten, dass wir einen vorzeitigen Rückflug in Erwägung zogen.

Glücklicherweise unterließen wir diese irrsinnige Idee und fanden schließlich auch wieder einen Weg zueinander, der den restlichen Aufenthalt doch noch zu dem werden ließ, als was er ursprünglich angedacht war: eine erkundende, aber auch erholsame Reise in vertrauter Zweisamkeit, in welcher wir nicht nur von den Alltäglichkeiten des Zuhauses abschalteten, sondern zudem noch Pans Geburtstag feierten.

Wir sind zurück. Zunächst ein paar bildhafte Eindrücke der vergangenen Tage, später ggf. mehr.

Blick über die StadtBlick über die Stadt
Eines meiner Lieblingsfotos von Lissabon: Ein Denkmal im Stadtteil Belem, einem ehemals verschlafenem Fischerdorf vor den Toren der Stadt, in dem jetzt die architektonischen Meisterwerke und großen Museen des Landes eng beeinander liegen.Aqueduto das Águas Livres in Lissabon (Der Aquädukt der freien Wasser)
Kathedrale Sé im ältesten Viertel Lissabons, der AlfamaFrau beim Teppich schrubben
Säulen am Parque Eduardo VIIIn den nächtlichen Gassen Lissabons
Blick über die Stadt - immer wieder schön!Azulejos (Kacheln) findet man überall in Lissabon. Sie zieren Hauswände, Torbögen, Treppen, Sitzbänke, Geschäfte, Bahnhöfe, Paläste und Kirchen. Im hiesigen Bild hängt ein Alfacinha (Spitzname der Lissabonner), zu deutsch ein Salatköpfchen, gerade die Wäsche auf, was ich so löblich fand, dass ich das gleich festzuhalten gedachte.
Gesehen auf dem ehemaligen Expogelände, das heute Parque das Nacoes (Park der Nationen) heißt.Arabisches Viertel der Alfama (ältestes Viertel Lissabons), in dem vornehmlich Familien aus ärmeren Verhältnissen leben.
Trikotparade einer fußballbegeisterten FamilieFast schon surrealistisch wirkend, aber doch real: futuristische Architektur auf dem ehemaligen Expogelände
DAS Wahrzeichen Lissabons: Torre de Belem, Wehrturm im manuelischen Stil.


Tja, wie war es?

Die Nacht mit Alina lässt sich recht einfach beschreiben: anstrengend, ein wenig schmerzlich, und sehr unruhig.

So schmeckt Kino: mit PopcornWir haben mit ihr von 20 Uhr bis um 23:30 Uhr Monopoly gespielt, wobei dann bei allen Beteiligten (Pan, Alina, Ralf, der sich spielend zu uns gesellte, und mir) irgendwie die Luft raus war, obgleich das Spiel noch lange nicht zu Ende war. Von Müdigkeit war bei „Ali“, die unter der Woche um 20 Uhr zu Bett gehen muss (am Wochenende und in den Ferien, die sie jetzt hat, darf sie länger aufbleiben), keine Spur, während mich die permanente Inanspruchnahme schon sehr schlauchte. Zum Glück übernahm Pan dann den Part des (sinngemäßen) „Alina, Du musst jetzt aber ins Bett“- Sagers. Ehrlich und ungeschönter Weise gesagt wollte ich das aber nicht, zumindest nicht zeitgleich mit Alina, da mir eine kontinuierliche Fortführung des bisherigen Tagesverlaufs, bei dem ich noch nicht einmal die Zeit für die Toilette fand, den letzten Nerv geraubt hätte. An eine kleine „fünf-Minuten-Pause-Insel“ war einfach nicht zu denken. Nein, ich wollte gar nicht mit Alina im Bett weiterplaudern, ich wollte Ruhe, einfach nur Ruhe und raus aus der Verantwortung.

In Rücksprache mit Alina ließ ich – mein Kommen in Bälde ankündigend - die Schlafzimmertür halb offen, so dass sie das Licht aus dem Flur sehen konnte. Zwei erholsame und ruhige Carcassonne (Die Burg)-Spiele mit Pan später, gesellte ich mich zu ihr ins Schlafzimmer, aus dem ich zunächst nur lautes Atmen vernahm. Alina schlief. Ich war erleichtert. Um es vorweg zu nehmen. Alina meinte am nächsten Morgen, dass sie schon nach fünf Minuten eingeschlafen sei. So geräuschlos wie möglich suchte ich „meine Seite“ des Bettes. Trotz aller Geschlauchtheit wühlten mich die Erlebnisse des Tages doch so sehr auf, dass ich zunächst erstmal gar nicht abschalten konnte, während die für mich ungewohnten und deutlich vernehmbaren Atemgeräusche meiner – wie sich später herausstellen sollte - ungestümen Bettgesellin zusätzlich aufhorchen ließen. So quirlig und agil sich Alina am Tag zeigte, so bewegefreudig und Nähe suchend (oder sollte ich Platz verdrängend sagen?) erwies sie sich gleichermaßen in der Nacht. Ich reduzierte mein Liegefläche auf ein Fünftel des Bettes, hatte aber trotzdem immer wieder Alinas Beine und Arme auf mir, die ich im unregelmäßigen Turnus von mir wies. Bedauerlicherweise trat die kleine Maus neben mir auch noch, was mich dazu veranlasste, in den frühen Morgenstunden mit der Couch vorlieb zu nehmen, obwohl ich auf jener auch keinen Schlaf mehr fand.

Alina am TischkickerMit matt und müde lässt sich insofern auch die Befindlichkeit meines gestrigen Tages beschreiben, den ich aufgrund des Schlafdefizits kopfschmerzbehaftet verbrachte, wobei ich – soweit es mir möglich war – das Alina nicht spüren habe lassen. Wie vereinbart besuchten wir um 11 Uhr – ganz klassisch mit Popcorn - das Kino und spielten vor Ort zudem noch ein wenig Tischkicker, was „Ali“ gestern auch zum ersten Mal tat. Zunächst zwar etwas furchtsam, dann aber doch mit immer weiter wachsender Begeisterung. Im Anschluss stand die Nachhausefahrt an, auch weil Birgit, meine Schwägerin, uns bat, Alina um die Mittagszeit wieder nach Hause zu bringen.

Was nach diesem Besuch bei mir zurückbleibt, ist die Frage, inwieweit ich überhaupt die Kraft hätte, eigene Kinder groß zu ziehen, vorausgesetzt ich wollte.

Fabio, der zweijährige Sohn meiner Schwester, war gerade bei Birgit, als wir Alina zurückbrachten. Es ist unglaublich, wie unaufhaltsam rege und aktiv der kleine Kerl ist. Auch hier frage mich, inwieweit ich überhaupt die Nerven hätte, den ganzen Tag auf jemanden aufzupassen. Sind Mütter Übermenschen? Bin ich besonders schwächlich? Wächst man an der Aufgabe oder sind eigene Kinder doch etwas anderes als unleibliche?

Ich stelle mir ferner die Frage, was von meinem „Supertantendasein“ noch geblieben ist? Ich denke nicht, dass Alina ihren Würzburg-Aufenthalt als außergewöhnlich bezeichnen würde, eher als gewöhnlich, wenngleich unbekannt gewöhnlich. Gestern war sie in Würzburg, heute wird sie zuhause zum Kinderfasching gehen, ... morgen vielleicht zu einem weiteren. Würzburg war ein Grashalm auf der Wiese ihres Lebens. Ob und wie viel Bedeutung sie ihm zumisst, vermag nur sie allein zu sagen.

 

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