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In all den Jahren, in denen wir durch die USA reisen, hatte ich schon öfter mal vor, einen kleinen Blog-Beitrag über ein spezielles Thema zu schreiben: sanitäre Einrichtungen. In unserem Fall über Wasser- und Duschhähne sowie über Toiletten.

Warum?

Zum einen, weil ich es absolut verwunderlich finde, wie variantenreich die Möglichkeiten sein können, Wasser an- und abzudrehen beziehungsweise die Temperaturen zu regeln. Normen scheint es diesbezüglich jedenfalls nicht zu geben. Ich kann die Anzahl der Bundesstaaten, die wir bisher aufgesucht haben, nicht genau beziffern, glaube aber so um die 22 bis 23, wobei die erwähnten Unterschiede ja nichts mit den Bundesstaaten zu tun haben, da diese auch von Ort zu Ort und sogar von Motel zu Motel variieren. Ich wollte, ohne anzugeben, auch nur andeuten, dass wir schon ein wenig des großen Landes gesehen haben, mit unserer Ansicht zwar nicht repräsentativ sind, aber eben doch ein wenig Erfahrung gewinnen konnten. Manchmal müssen wir wirklich ein bisschen experimentieren, wenn meist auch nur kurz, um das Wasser zum Fließen zu bringen.

Vielleicht, wenn es nicht so albern und unnütz wäre, sollte ich das ganze mal fotografisch zu dokumentieren beginnen. An 30 bis 40 unterschiedlichen Versionen haben wir uns gewiss schon versucht.

Zum anderen, dies betrifft das Thema Toiletten, weil man den Amerikanern laut Klischee nachsagt, dass sie prüde sind, die öffentlichen Toiletten im Vergleich zu den deutschen dann aber aufgrund ihrer doch recht offenen Bauweise und der Tatsache, dass die Tür erst in Kniehöhe beginnt, wenig Privatsphäre bieten.

Und noch etwas zum Thema Toiletten, das ich persönlich widerlich bis eklig finde, das sowohl öffentliche als auch jene, längst nicht alle, aber doch etliche in den Hotels und Motels, in denen wir übernachten, betrifft: Toiletten, die keinen Klodeckel haben.

Nein, ich will mich damit nicht über die Amerikaner stellen, warum auch? Sie werden gewiss einen guten Grund dafür haben, warum sie das so praktizieren. Wäre ich hier aufgewachsen, würde ich zunächst nichts anderes kennen und mich, würde ich Deutschland besuchen, vielleicht fragen, warum die Deutschen so umständlich sind. Alles eine Frage der Gewöhnung.

[30. September, 23.21 Uhr amerikanischer Zeit]

Nein, kein Smalltalk! Auch wenn es einmal mehr ums Wetter, derzeit DAS bestimmende Thema des Urlaubs, geht. Allmählich bin ich es auch schon leid, darüber zu berichten, wenngleich es doch einer der Komponenten ist, mit der für mich ein Urlaub steht und fällt.

Was ich damit sagen möchte?

Dass der heutige Morgen wettermäßig so anfing, wie er gestern Abend endete: kalt, neblig und verregnet, kurzum: grausam. Dabei hatten wir im Vorfeld noch einmal nach der Wettervorhersage gegoogelt, die uns, was die Temperaturen betraf, zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer gab. Nach dem ersten direkten Frischluftkontakt am Morgen wurde jener aber jäh zerstört. Adrett in die schicke Schale meines Lieblingshemdes gebettet und mich voller Tatendrang auf die noch zwei Autostunden entfernt gelegene und für heute geplant zu besichtigende Stadt Cincinnati gefreut, wich eben genau jene Freude innerhalb von Sekunden einem Frust. Nicht nur, dass ich innerhalb von Sekunden zu frieren begann. Nein, es regnete auch einfach weiter. Endlos, so als wollte man über uns den gesamten Inhalt aller Weltmeere vergießen.

Tim in seiner schicken Latzhose.Aber lassen wir das. Switchen wir zeitmäßig einfach ein wenig weiter, um von Erfreulicherem zu erzählen. Dem Besuch im Outlet-Center, in welchem wir heute unsere Kids für sagenhaft umgerechnete 2,34 Euro neu einkleideten. Kein Scherz! Im „The Children’s Place“ waren etliche Kleidungsstücke aus der Babyabteilung, die vorher zwischen 12 und 15 Dollar gekostet haben, auf erfreulich wenigere Cents reduziert, weshalb unser lieber Tim mit einer ihm vortrefflich kleidenden Latzhose zuzüglich passenden Hütchen, Liselle mit einer schmucken Bluse und Fabi mit einem sportlichen Shirt ausstaffiert wurden. Wie sagte der Pan daraufhin? „Wenn wir schon draußen keinen Sonnenschein haben, holen wir uns diesen eben ins Auto“. Und genau in selbigem war daraufhin die Stimmung aufgrund unserer Laufsteg-Helden im höchsten Maße erheiternd.

Und Cincinnati?

Nun, um ganz ehrlich zu sein: Diese Stadt, in der die Armut der Bevölkerung partiell ganz offensichtlich und teilweise auch persönlich aufdrängend und beängstigend ist, muss man nicht gesehen haben. Möglicherweise, aber das mutmaße ich jetzt auch nur, sind die sozialen Probleme innerhalb Cincinnatis auch mit ein Grund, warum die Zahl der rund 300.000 Einwohner zählenden Stadt innerhalb der letzten Jahre immer mehr schwand. Dabei hatte ich mir von der Chiquita-Stadt, zu deren Söhnen unter anderem der Regisseur Steven Spielburg oder auch das lebende Symbol des Böses, Charles Manson, sowie als Tochter Doris Day zählen, mehr erhofft. Nun gut. Für Baseballfans lohnt sich hingegen ein kleiner Abstecher zum 2003 eröffneten „Great American Ball Park“, dem Stadion der Baseball-Mannschaft Cincinnatis Reds.

Trostloser Blick auf Cincinnati.Mit ein paar obligatorischen und einmal mehr trüben „Ich-war-hier-Fotos“ verließen wir um 16.15 Uhr bei lichter werdendem Himmel die Stadt. Zu diesem Zeitpunkt lagen noch zwei weitere Autostunden Fahrt bis zum geplanten Etappenziel des Tages, Indianapolis, vor uns. Tja, was soll ich sagen? Ich habe ihn zwar nicht gesehen, aber er, der Wolkeneinsammler, muss wohl mit seinem putzfreudigen Besen und dem ganz großen Rucksack unterwegs gewesen sein, denn schließlich waren sie, die Wolken und die schwarze Tristesse, mit einem Mal fast weg und ließen einen beinahe makellosen blauen Himmel zurück, unter dem sich die Fahrt Richtung Indianapolis endlich auch mal wie eine Szene aus unseren früheren Urlauben anfühlte. Göttlich! Möge es hoffentlich so bleiben! Dabei weiß ich schon heute, dass es ab Freitag, wenn wir Chicago erreichen, wieder schlechter werden soll.

Wie gerne würde ich mich diesbezüglich eines Besseren belehren lassen!

Triste Stadtansicht von Pittsburgh.Nein, auch heute war er, der Wettergott, uns nicht hold. Ganz im Gegenteil! Keine Ahnung, wer ihn dermaßen verstimmt hat, aber unter schön, herbstlich oder gar urlaubsfreundlich verstehe ich wahrlich etwas anders. So allmählich glaube ich sogar, dass wir unabsichtlich ein weitflächiges Netz ausgeworfen haben, in dem sich der Hüter des Wetters verfangen hat, weswegen er so schmollt und grollt. Die fröstelnden Temperaturen des Tages erinnerten zudem mehr an den vor uns liegenden Winter und der Farbe des Himmels nach zu urteilen, hatte selbiger erst jüngst ein inniges Tête-à-tête mit einem Schornsteinfeger.

Der Kälte und des eisigen Windes wegen, dem ich mich auch in zwei Jacken gehüllt nicht erwehren konnte, hatte ich heute Morgen eigentlich schon gar keine große Lust mehr, nach Pittsburgh zu fahren, was im Nachhinein betrachtet echt schade gewesen wäre, da die Stadt mir – unter den üblich gewünschten blauen-Himmel-Bedingungen - mit den verspielten Formen und Farben der Gebäude und weiteren städtebaulichen Konstellationen ein wahres Eldorado an Motiven geboten hätte, die ich nun zwar zum Teil auch digital gebannt habe, dafür aber leider im grau-weißen Einheitsbrei, der völlig flairlos ist. Das Fotografenherz einmal zur Seite genommen und stattdessen ein wenig meine Phantasie bemüht, wie es vor Ort aussehen könnte, wenn, … erfreute mich der Aufenthalt in der 334.000 Einwohner zählenden Stadt aber doch sehr.

Am Nachmittag besuchten wir schließlich das sich in einem Industriegebäude auf sieben Etagen erstreckende Andy Warhol Museum, dank Presseausweis sogar kostenfrei! Wirklich viel zu sehen gab es aufgrund von Umbauarbeiten der Wechselausstellung, eines derzeit grundsätzlich komplett geschlossenen Stockwerkes und einer Sonderausstellung zum kürzlich hier stattgefundenen G20-Gipfel aber nicht, weshalb ich mich gewiss geärgert hätte, wenn ich die 15 Dollar Eintritt bezahlt hätte. Dem Besucher gegenüber wäre es meines Erachtens aber nur fair, ihm unter diesen eingeschränkten Bedingungen nicht den kompletten Eintrittspreis abzuverlangen.

Blick in die Eingangshalle des Andy Warhol Museums-Und was gab’s zu sehen? Klassiker, wie zum Beispiel die Bilder von Marilyn Monroe, Elvis Presley oder die Abbildung der Campbell's Soup Konservendose, darüber hinaus aber auch Drucke, Zeichnungen, Skulpturen und Filme. Nicht zu vergessen seine „Zeitkapseln“, mit denen Warhol (1928-1987) heute noch immer für Überraschungen sorgt. In diesen so genannten "Time Capsules", Pappkartons, sammelte der schillernde Andy Warhol, der bis zu seinem 21. Jahr in Pittsburgh verweilte, übrigens alles, was ihm in die Hände kam: Salzstreuer oder Teller, die er auf dem Flohmarkt ersteigerte, die Schuhe des Schauspielers Clark Gable oder ein Diamantring, kurzum Alles, was ihm interessant und bewahrenswert erschien. Erstaunlich fand ich, dass von den über 600 Kartons mit Kunst und Krams, die Warhol, der bereits über 20 Jahre tot ist, hinterlassen hat, bis heute – mangels Personal – nur zirka die Hälfte geöffnet wurden.

Nach dem mehr oder minder gemütlichen (bei der Kälte!) Spaziergang zum Auto zurück, setzten wir unsere Weiterfahrt nach Chicago noch dreieinhalb Stunden fort, um in Columbus in einem ungewöhnlich-gewöhnlichen sowie vorteilhafterweise kostengünstigen Motel, das – wie ich an einer an der Wand hängenden Urkunde erkennen konnte - den Preis zum Helden der Gastfreundschaft erhielt, Halt zu machen, wo wir auch unsere nächtlichen Zelte aufgeschlagen haben, damit wir morgen umso gestärkter nach Cincinnati starten können.

In Hershey steht die Factory World. Ihr Besuch ist kostenlos.Wetter hin, Wetter her. Mittlerweile habe ich meine ganz eigene verworrene Theorie, was das selbige in den nördlicheren Gefilden der Vereinigte Staaten betrifft: es ist schlechter beziehungsweise kühler als in unseren Breitengraden und wechselhafter, zumindest derzeit, wo es in Aprillaune für den kleinen gewöhnlichen USA besuchenden Urlauber sämtliche Überraschungen bereithält.

Überraschungen schön und gut, aber was, wenn man planen möchte? Keine Chance. Im Moment heißt die Devise insofern: den Moment des Augenblicks leben. Vielleicht mit eine unserer ersten Erfahrungen dieses Urlaubs, die wir uns heute – vom Plan abweichend – zu Nutze machten. Gänzlich wider Erwarten und auch wider der Vorhersage des Weather-Channels frohlockte Harrisburg heute Morgen mit Sonneschein. War das zu fassen? Eigentlich hatten wir den Tag schon fast abgehakt, was das Thema Sightseeing betrifft, wollten stattdessen eine weite Wegstrecke zurücklegen, um dann irgendwo in einer Mall oder sonstwo noch ein bisschen amerikanisches Flair zu schnuppern beziehungsweise nach den ersten Mitbringseln für die zu Hause Gebliebenen suchen.

Aber es kam ganz anders!

Des Sonnescheins wegen nutzten wir, ich schrieb es ja eben, die Zeit vor Ort, wobei „vor Ort“ nicht hundertprozentig stimmt, aber zumindest gefühlt, da wir rund 16 Kilometer östlich fuhren, um in Amerikas Schokoladenhauptstadt, Hershey, zu landen. Wer je in den Staaten war oder mal auf einem amerikanischem Volksfest, kommt um die Produktpalette der Süßigkeiten von Hershey nicht herum, aber auch uns Europäern ist natürlich der Name KitKat ein Begriff. Wer sich ein wenig besser auskennt, wird gewiss schmunzeln, wenn ich an dieser Stelle erzähle, dass selbst die wuchtigen Straßenlaternen, das heißt deren Köpfe, die Form von „Kisses“ hatten. Aber nicht nur das! Nein, der Gründer der heute 13.000 Einwohner großen Stadt, Milton S. Hershey, war noch wesentlich einfallsreicher, in dem er beispielsweise ganze Straßenzüge mit schmackhaften Namen wie „Chocolate Avenue“ oder „Cocoa Avenue“ versah, die von einem, und das ist jetzt wirklich nicht gelogen, süßen Schokoladenduft erfüllt sind, was daran liegt, dass sich die Produktionsanlagen in diesen Straßen befinden.

Darüber zu schreiben und davon zu lesen, ist im übrigen das Eine, man muss wirklich mal durch die Straßen geschlendert sein, um sich mit seinem Geruchssinn so angenehm verführen zu lassen.

Am Ausgang der Chocolate World-Factory Tour wartet die FotokuhIm Anschluss sind wir noch zur Chocolate-World gefahren, wo wir an einer lauffaulen, da in kleinen Waggons chauffiert, Reise durch das Schokoladenimperium vom Kakaobohnenanbau bis zur Fabrikation teilnahmen. Da vor Ort absolut nichts los war, haben wir diese Runde sogar zwei Mal gedreht: das eine Mal zum Filmen und Fotografieren, das andere Mal, um uns den Informationen aus den Lautsprecher zu widmen.

Überraschenderweise, und hier wurde das Wetter dann endlich (und leider!) der Vorhersage gerecht, zog der Himmel sich mit einem Mal, und zwar schon zu jenem Zeitpunkt, als wir das Auto auf den Chocolate-World-Parkplatz abstellten, zu, und das in einem Tempo, als sei eine ganze Bande an muskulösen und arbeitsfreudigen Wolkenschiebern am Werk. Ruckzuck war Nacht. Aus diesem Grunde haben wir dann nach der Tour auch wieder unseren ursprünglichen Plan aufgegriffen: die Weiterfahrt nach Chicago mit Zwischenstopp in Pittsburgh, das wir uns heute gegebenenfalls noch ansehen wollten, was wir aber nicht mehr geschafft haben, weswegen wir es morgen auf jeden Fall realisieren werden – mit oder ohne Regen!


Wo wir uns jetzt befinden? Ganz ehrlich: irgendwo im nirgendwo, dem man aber doch einen Namen gegeben hat: New Stanton, einen knapp 2000 Einwohner zählenden Ort rund 25 Kilometer vor Pittsburgh.

Des Spaßes wegen sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass uns das Wetter auf dieser stundenlangen und heute leider auch wieder gebührenreichen Weiterfahrt ein breites Spektrum bot, von dem wir einmal mehr eine Sonnenphase für eine köstliche Starbucks-Kaffee-Pause nutzten.

Das Kapitol in Harrisburg3 Uhr morgens (Harrisburg): Noch schaffen wir den amerikanischen Zeit-Rhythmus nicht, gehen stattdessen noch nach deutscher Zeitzone (gestern Abend um 20 Uhr Ortszeit hier) zu Bett, weswegen ich jetzt auch schon hellwach bin, aber das wird sich die nächsten Tage bestimmt geben.

Zum Glück gibt es bereits ab 6 Uhr Frühstück, dann kommen wir auch zeitig los und haben mehr vom Tag. Hat wie üblich alles seine Vor- und Nachteile.

Philadelphia – Harrisburg?

Ich deutete ja bereits an, dass das Wetter uns gegebenenfalls nicht hold sein würde, und da der amerikanische Wettergott bereits am Samstag, dem Tag unserer Landung, Philadelphia mit einem Meer an Tränen bedeckte, dessen Quell auch am Sonntag nicht zu versiegen schien, entschlossen wir kurzerhand, uns die fünf Millionen Einwohner Metropole erst am Ende unseres Urlaubs anzusehen, da wir ja auch wieder von Philadelphia abfliegen.

Apropos Flug: selbigen fand ich diesmal, trotz allen Komforts und Freundlichkeit, den Lufthansa in der Economy-Class bietet, erbärmlich. Für gewöhnlich hatten wir bisher fast ausnahmslos das Glück, so zu sitzen, das zumindest einer von uns beiden eine Außenposition einer Sitzreihe inne hatte, so dass wir niemand anderen behelligen mussten, wenn wir mal aufstehen wollten. Diesmal saßen wir leider gänzlich eingepfercht in einem Mittelgang. Rechts und links von uns Unbekannte. Die Dame neben mir war zudem gehbehindert, so dass ich diese natürlich nicht unbedingt mit eigenen Anliegen bedrängen wollte. Und der Mann, der neben dem Pan saß, schlief sehr häufig, insofern wollte ich auch jenen nicht stören, hieß aber zeitgleich – und das kam erschwerend hinzu – fast 9 Stunden regungslos dazusitzen, da unsere beiden indischen und kleinwüchsigen „Vorsitzer“ ihre Rückenlehnen erbarmungslos bis zum Anschlag nach hinten manövrierten. Da ich mittlerweile auch nicht mehr zu den Jungspunden dieser Nation gehöre, fällt mir dieses bewegungslose Sitzen aufgrund von Rückenproblemen auch nicht mehr sehr leicht, weswegen es am Ende wirklich grenzwertig wurde, ganz einmal davon abgesehen, dass ich während des Fluges eine Phase voller Schwindel und Übelkeit hatte. Aber lassen wir das, denn das ist heute, hier und jetzt ja längst Vergangenheit.

Säulen in HarrisburgRein organisatorisch verlief unsere Reise bis zur Ankunft dafür besser denn je, da wir nirgendwo wirklich länger warten mussten. Weder beim Einchecken, den Sicherheitskontrollen, der Einreise in die USA, bei der man inzwischen alle zehn Finger einscannen lassen muss, letztes Jahr waren es meines Erachtens noch vier, bis hin zur Fahrt zum Autoverleih und dem vertraglichen Arrangieren desselben.

Einzig das Wetter, ich schrieb es ja bereits, war jenes, das sich nicht eines freundlicheren besinnen konnte. Und mit einem derartigen wurden wir bisher auch noch nie empfangen. Unser für solche Fälle sonst üblich wegweisender Weather-Channel war uns diesmal aber auch keine Hilfe, da rundum, sprich in alle in einem Tag zu erreichenden Fahrtziele um uns herum, Regen und Thunderstorms angesagt waren, während es in den Gegenden, die wir in den letzten Jahren aufgesucht haben, warm/heiß und sonnig werden sollte, was mich sehr betrübte. Was tun?

Fabian und Liselle am Kapitol in HarrisburgDa für das rund zwei Stunden südwestliche Autofahrt entfernt gelegene Baltimore zumindest für den (Nach)Mittag Wetterbesserung versprochen wurde, entschlossen wir uns kurzerhand für dieses Ziel, auf dessen Straßen wir gestern an einem Tag insgesamt mehr „Toll“ (Straßen- und Brückengebühr) bezahlen mussten, als an einem gesamten Urlaub zuvor, weswegen uns die I 95 nicht unbedingt in guter Erinnerung bleiben wird.

Dafür wurden wir dann aber, in der bedeutenden Hafenstadt angekommen, mit dem nautischen Flair des inneren Hafens entlohnt. Erfreulicherweise hatte der Himmel inzwischen seine regenreichen Pforten geschlossen, so dass wir uns dort zumindest trockenen Fußes unter der grauen Wolkendecke, die inzwischen einigen kleinen blauen Flecken Platz machte, bewegen konnten, wenngleich die Wege noch immer gänzlich von Feuchtigkeit durchtränkt waren und große Pfützen erahnen ließen, welch wasserreiche Massen von Oben gekommen sein müssen.

Wäre der Himmel in das von meinem Herzen ersehnte Fotografenblau getaucht gewesen, wären die Bilder vom ausgemusterten Leuchtschiff „Chesapeake“, das 40 Jahre lang als schwimmender Leuchtturm Dienst tat, das gefräßige (Haifischmaul aufgemalte) U-Boot „USS Torsk“, welches übrigens das letzte intakte Kriegsschiff, das den japanischen Angriff auf Pearl Harbour überstand, ist, die 1797 vom Stapel gelaufene Fregatte „Constellation“, die farbenreichen kleinen Drachenboote sowie das auf Spinnenbeinen stehende Seven Foot Knoll Lighthouse und all die übrigen reizenden kleinen Details wie die Hängebrücken oder die fast zur Ohnmacht betäubend duftenden Blumenampeln, ganz gewiss atemberaubend gewesen, da auch die umstehenden Gebäude, vornehmlich Museen, sich mit ihren Formen architektonisch harmonisch in das Gesamtbild einfügten. Unter den vorherrschenden Bedingungen ist aber gewiss nur „Löschmaterial“ herausgekommen, wozu ich ergänzend hinzufügen muss, dass ich mir, um mich nicht zu frustrieren, die Bilder noch nicht angesehen habe.

Am Inner Harbor in Baltimore steht dieses SchiffDa unser westlichstes Ziel dieses Urlaubs aber Chicago heißt, haben wir uns gestern dann aber auch ganz grob auf die Route dorthin begeben, um in Harrisburg, der Hauptstadt von Pennsylvania, einen ersten Zwischenstopp einzulegen. Nachdem wir ein Hotel, von dem wir kostenfrei ins Internet kommen, gefunden haben, begaben wir uns auch gleich wieder Richtung Downtown, weil wir uns an dem baulichen Geschmack von US-Präsident Theodore Roosevelt, der das Kapitol des Bundesstaats Pennsylvania als das schönste Gebäude, das er je gesehen hatte, beschrieb, laben wollten. Und wahrlich: er hatte Recht! Das marmorne Ambiente mit eleganten Treppen, Denkmälern und Skulpturen sowie der Wasser spielende Brunnen im weitflächigen Terrain erschloss uns ein bauliches Schmuckstück, das sowohl vom Petersdom in Rom als auch von der Pariser Oper Inspiration erhielt.

Und was steht heute auf dem Programm?

Hmmm, so genau weiß ich das noch nicht. Irgendwas was auf jeden Fall Richtung Chicago liegt.

Eine der größten Hürden des Reisens ist genommen: wir, der Pan und ich, haben gepackt. Da ich vorsorglich - des möglichen Vergessens wegen - auch schon die Heizung herunter gedreht habe, sitze ich nun in zwei dicke Jacken gehüllt am Schreibtisch, um diese Zeilen zu formulieren. Möglicherweise ist es aber auch bloß der Angstschweiß, der mich frösteln lässt, wobei ich derzeit gar nicht wüsste, wovor ich Angst haben sollte, - oder doch?

Doch ja, schlechtes Wetter würde mir die Laune verderben, insofern besteht seitens Philadelphia, das wir morgen um 16.30 Uhr Ortszeit (22.30 Uhr deutscher Zeit) erreichen werden, doch Anlass dazu, da für Sonntag Regen vorhergesagt ist, aber vielleicht besinnt sich der amerikanische Wettergott ja doch noch eines Besseren? Mal sehen, …

Wenn wir den Laptop mitnehmen, was wir erst morgen früh entscheiden, werden wir auf unserem Reiseblog gewiss auch ein wenig von unterwegs erzählen. Ich gegebenenfalls auch hier, wenn mich meine mir eigens aufoktroyierten Zwänge namens Nachrichtenlesen(müssen) nicht davon abhalten.

Insofern hat die Mitnahme des Rechners seine Vor- und Nachteile. OHNE hätte ich mehr Ruhe, weil ich mich nicht gezwungen sehe, etwas tun zu müssen, wofür mir die physischen Mittel fehlen.

Es war ja bisher auch schon so immer grenzwertig genug, wenn wir mal in einer Hotellobby einen kostenfreien Rechner nutzen konnten und ich dann glaubte, all die Nachrichten der vergangenen Tage nachholen zu müssen. Mit dem Verstand kann ich diese selbst kreierte Pflicht nicht bezwingen, die mich bei Nichterfüllen mit einem super schlechten Gewissen peinigt, was mich alleine schon wieder dazu antreibt, alle Nachrichten des Tages - aufbereitet von diversen Medien – in mich aufzusaugen.

[Zwei Jacken sind doch etwas warm. Mich jetzt einer davon entledigend]

Werden uns morgen in den Urlaub begleiten: Liselle, Tim und FabiMit im Gepäck sind diesmal übrigens sogar drei Kids: Unser Sonnenschein Liselle, der reiseerfahrene Tim und unser Berliner Jung, Fabi(an). Als so große Family waren wir noch nie unterwegs, aber es wird bestimmt spaßig, vornehmlich auch dann, wenn der Himmel immer dort zu Tränen gerührt ist, wo wir nicht weilen.

Ich sollte schlafen, aber ich kann nicht, da mich Familien-Angelegenheiten aufwühlen. Mein Bruder verliert - wie ich - vielleicht bald seinen Job. Meine Schwester wird von ihrem Ex-Mann (Scheidung war im Juni) über den Tisch gezogen. Die diesbezüglichen Details zu erläutern, würde zu weit gehen, außerdem weiß ich gar nicht, ob ich das sachlich noch richtig wiedergeben könnte. Fakt ist, dass sie unter anderem wegen eines Formfehlers, den ihre Anwältin auch schon eingestanden hat, absolut im Nachteil ist. Klar, es geht um Geld, aber nicht nur, auch um seine Rachsucht, wobei ich das nur von den Erzählungen meines Bruders und meiner Mutter weiß. Und dass meine Schwester deswegen psychisch auch angeschlagen, derzeit sogar krank geschrieben ist.

Man sollte mich so kurz vor dem Schlafengehen einfach nicht mit solch belastenden Informationen füttern, die mir jetzt bleischwer und krampfend im Magen liegen. Mir ist als müsste ich mich übergeben.

Ich hatte es an anderer Stelle schon ein paar Mal erwähnt. 2003 hatte meine Mutter Krebs. Seitdem habe ich immer Angst, dass dieser wiederkehren könnte, weshalb ich sie von allen negativen Gedanken zu verschonen beziehungsweise ihren trüben eine positive Sichtweise zu geben versuche, dabei sagte sie erst gestern, dass sie immer nur Hiobsbotschaften bekäme.

Dabei habe ich überhaupt nicht mehr die Kraft, so zu tun, als ob der Spruch „Immer wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“ aus meiner lebensbejahenden Feder käme. Ich halte mein eigenes Leben doch schon kaum aus.

Ich weiß, dass es albern klingt, aber gestern hatte ich auf Sieg gesetzt, was das Thema Lotto betrifft. 27 Millionen waren im Jackpot. Mit diesen (oder auch einem Teil davon) wären wir allesamt unabhängig. Ich hätte meinen Geschwistern und meinen Eltern soviel Geld geben können, dass sie zumindest finanziell keine Sorgen mehr die ihren nennen müssten, aber der Gewinn blieb leider aus.

Ich wünschte, ich könnte irgendwie helfen, aber ich kann nicht. Stattdessen kreieren meine Gedanken in jüngster Zeit manchmal Horrorszenarien und Bilder, die so lebhaft vor meinem Auge sind, dass ich Mühe habe, sie mit dem Verstand in Schach zu halten.

Wenn ich nur irgendwas tun könnte!

Meine Schwester tut mir so unendlich leid, weil sie nun mit all der Verantwortung, die gewöhnlich zwei Menschen teilen, Alleinerziehende ist und nicht das Geld (5.000 Euro) hat, die Anwältin zu bezahlen, obwohl sie einen Job hat. Meine Eltern deswegen, weil sie sich selbst nichts gönnen, um Geld für Unvorhergesehenes, wie zum Beispiel die Anwaltskosten meiner Schwester, zurückzulegen und zu bezahlen. Was die Kinder betrifft, ziehen sie zwar an einem Strang, ansonsten stehen sie aber definitiv nicht füreinander ein und leben – jeder für sich – ein trauriges wie trostloses Leben. Was wird aus unseren Leben? Wie soll meine Schwester gesundheitlich und finanziell wieder die Kurve kriegen, zumal sie nicht aus der Verantwortungspflicht für das Haus seitens der Banken genommen wurde – und das obwohl sie nicht mehr im Grundbuch steht. Wie soll sie wieder genesen? Was wird aus meinem Bruder, wenn er seinen Job verliert? Wird er das Haus für seine kleine Familie halten können? Und was ist mit meinen Eltern? Wie weit kommt jeder von ihnen mit seinen knapp 700 Euro Rente? Wie soll das denn alles weitergehen?

Und nicht zuletzt: was wird aus mir, wenn ich meinen Job verliere, wovon ich mehr oder minder ausgehe? Sind wir eine Versager-Familie?

Die Tage bis zum Urlaubsantritt lichten sich allmählich. Was sich vor geraumer Zeit noch wie eine kleine Ewigkeit anfühlte, rückt inzwischen in greifbare, besser gesagt an zwei Händen abzählbare Nähe. Trotz aller Freude macht sich dennoch auch Nervosität breit. Zum einen wegen der Furcht vor Schweinegrippe, dann wegen des Kofferpackens und der damit verbundenen Sorge, dass ich etwas vergessen haben könnte und nicht zuletzt wegen des Wetters. Die ganzen Jahre zuvor sind wir fast ausnahmslos in Sonne garantierte Staaten der USA gereist. Nachdem wir diese aber allesamt schon gesehen haben und dieses Jahr nicht erst im Oktober beziehungsweise im November wegfliegen, haben wir eine weitaus nördlichere Route (mit europäischen Wetterverhältnissen) zusammengestellt. Wenn ich im Urlaub vor allen Dingen auf eins keine Lust habe, ist es kaltes Wetter.

Mal sehen, was kommt, …

 

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